Samstag, 5. Dezember 2009

Depression als Nebenwirkung von Medikamenten

Man sollte nicht unbedingt jeden Beipackzettel seiner Medikamente allzu aufmersam studieren, vor allem wenn man zu Panik und Angststörungen oder hypochondrischem Verhalten neigt.
Möglicherweise ticken wir Deutsche auch als "Normalo" immer noch anders als andere Nationen. Nicht umsonst gibt es im englischsprachigen Ausland das Idiom von der "German Angst". :-)
Was es da an Neben- und Wechselwirkungen mit anderern Medikamenten zu lesen gibt veranlasst viele Leute ihre angebrochenen Packungen sofort in die Tonne zu treten.
Und falls man chronisch krank ist, sollte man seine Pillen lieber regelmäßig einnehmen. In der Regel macht man sich nur verrückt mit dieser Angst vor Nebenwirkungen, aber in zumeist seltenen Fällen treffen sie leider eben auch ein.


Als Mr. Droge 1972 (Scherz), ehemaliger Krankenpfleger und Patient, der jeden Tag 16 Pillen schlucken muß, sei mir ein wenig Erfahrung mit der Sache zugetraut.

Auf schon einigen meiner Beipackzettel las ich unter Nebenwirkungen auch das Wort Depressionen aufgelistet, maß dem aber wenig Bedeutung zu. Was würde es auch für einen Sinn haben, zwar glücklich aber durch die Auswirkungen seiner Grunderkrankung vorzeitig das Zeitliche zu segnen?
Es gibt immer eine Risiko-Nutzenabwägung bei der Behandlung mit Medikamenten. Wenn das Risiko der Krankheit höher ist, nimmt man das Risiko von Nebenwirkungen in Kauf.

Vor einiger Zeit machte ich allerdings eine Erfahrung mit dem Blutdrucksenker Karvea (Irbesartan), die über ein kleines Unwohlsein als Nebenwirkung weit hinausging. Es verschlimmerte eindeutig den allgemeinen Hang zu Depressionen bei mir so sehr, daß ich es durch ein anderes Medikament austauschte und seither so beschwerdefrei bin, daß ich wieder mit Sport und Bewegung angefangen habe.

Es war ausgerechnet das letzte aller meiner Medikamente, welches ich mal probehalber abgesetzt habe, um zu checken, ob meine chronische Erschöpfung vielleicht besser wird. Schon am ersten Tag bemerkte ich, daß ich viel mehr Power beim Radfahren hatte, Normalerweise war ich nach einer kleinen Anstrengung oft noch Stunden danach völlig kaputt oder regelrecht geplättet. Diesmal jedoch nicht. In der kommenden Woche machte ich noch mindesten drei Fahrradtouren und es wurde von Tag zu Tag besser. (Ansonsten machte ich nur  EINE im halben Jahr) Nicht nur die chronische Erschöpfung war wie weggeblasen, sondern mir ging es auch seelisch zunehmend besser!
Also ging ich zu meinem Doc und bat um einen anderen Blutdrucksenker. Als ich ihm den Beipackzettel vorlas, wo Erschöpfung, Blutarmut, Muskelschmerzen, Schwindel beim Aufstehen und noch andere Nebenwirkungen aufgeführt waren meinte er nur: "Verrennen sie sich jetzt bitte nicht in diese Vorstellung, daß Karvea an allem Schuld ist! In den Studien die wir als Ärzte lesen, wird dem Mittel die geringste Rate von Nebenwirkungen überhaupt bescheinigt! Es geht ihnen nur besser, weil ihr Blutdruck jetzt wieder höher ist."
Obwohl er leicht angepiekt war, verschrieb er mir ein anderes Mittel. Mittlerweile ist mein Blutdruck wieder so niedrig wie vorher, aber die Erschöpfung und die Muskelschmerzen sind wie weggeblasen.
Ich habe mich in ein Fitnessstudio eingeschrieben und gehe dreimal die Woche zum Training, was ich seit ca. 5 Jahren nicht mehr konnte. Die November-Depression ist ausgeblieben und ich fühle mich viel besser als in den letzten Herbst- und Wintermonaten. Juchuuuu!!!
Kein Wunder, daß man depressiv wird, wenn man ständig erschöpft ist, bei jedem Spaziergang nach wenigen hundert Metern Muskel- und Gelenkschmerzen bekommt, so daß man sich immer weniger bewegt und nur noch in der Bude vorm PC oder TV hängt, weil man zu kaputt ist, irgend einer körperlichen Aktivität nachzugehen.
Übrigens kann ich nicht unbedingt empfehlen, in jedem Verdachtsfall von Nebenwirkungen den Ärzten allein zu vertrauen. Weder die Kardiologen im Krankenhaus 2005, noch mein Internist und der niedergelassene Kardiologe sowie die Gutachterin der Rentenversicherung haben meine Klage über die chronische Erschöpfung ernst genommen. Das ist wohl eine Krankheit unserer Mediziner. Du wirst als Patient grundsätzlich für doof gehalten! 
Ich kann nur empfehlen: Vertraue lieber den Signalen Deines Körpers, wenn es um Nebenwirkungen bei Medikamenten geht. Und lass Dich nicht unterkriegen, wenn Du als Simulant oder Spinner abgetan wirst.
Mach Dich lieber selber schlau, indem Du im Internet recherchierst oder Bücher und Artikel zum Thema liest.
Aber bitte nicht auf Verschwörungstheoretiker reinfallen, sondern nur seriösen Portalen vertrauen. 

Ich werde in diesem Blog weiter berichten, ob die seit Jahren übliche starke Winterdepression in diesem Winter bei mir noch kommt.... ;-)

> Lesen Sie auch: Organische Ursachen, Medikamente und Drogen als Ursache einer Depression 

Kommentare:

  1. Meine Oma (Gott hab sie selig) hat früher immer genau die Nebenwirkungen bekommen die meine Mutter ihr von den Tabletten vorgelesen hat. Als ich das mal übernommen hab, hab ich "Störungen des vegetativen Nervensystems" als mögliche Nebenwirkung behaupte;, da konnte sie nichts mit anfangen und die Tabletten wirkten ausgezeichnet und hatten keine Nebenwirkungen. GRINS.

    Aber Recht hast Du auf jeden Fall!

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  2. Ja das ist schon ein interessantes Kapitel und es nennt sich "Nocebo-Effekt". Ist das Gegenteil vom Placeboeffekt. Und Du hast im Grunde diesen Effekt in geschickter Weise ausgenutzt! ;-)
    Habe neulich in meinem frommen Blog mal drüber geschrieben:
    Was ich erwarte kommt manchmal doch über mich

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