Freitag, 1. Mai 2015

Was mir zur Zeit hift - Teil 2

Also checkte ich im Mai 2014 erneut in der Psychosomatik ein, 
diesmal stationär, weil ich dachte: Das wird viel intensiver weil du einfach nicht so viele Fluchtmöglichkeiten hast! Außerdem werde ich die Gemeinschaft mit den anderen Patienten viel enger erleben und vielleicht entwickeln sich dort sogar richtige Freundschaften  die über das Krankenhaus hinaus reichen?
Denn Menschen mit ähnlichen Problemen können ja viel besser nachvollziehen was so alles in mir seelisch vorgeht. Da muß man nicht lange reden und erklären, da genügt schon mal ein Blick, eine Geste oder ein Wort und der Andere versteht sofort wie es mir geht.

Ich nahm mir vor mich diesmal total auf die Therapie einzulassen, meinen Glauben an Gott und das tägliche Bibellesen für diese Zeit einfach beiseite zu lassen, bzw. an die zweite Stelle zu rücken und die Übungen, Gesprächsgruppen und Therapien die dort angeboten werden an die erste Stelle!
Es ist im 2-Bett Zimmer und dem üblichen Klinikbetrieb sowieso nicht so leicht Ruhe und Stille zum Gebet zu finden.


Und intensiv waren die 8 Wochen schon - intensiv anstrengend! Ich fühlte mich in meinem Patiententeam nicht akzeptiert - schon in der ersten interaktionellen Gruppe machte mir mein Zimmergenosse klar daß er meine Art nicht mag. Ich fühlte mich als Mensch völlig abgelehnt!

Auch mit den Patienten auf der Station wurde ich nicht warm und fühlte mich wochenlang als Fremdkörper - irgendwie ausgeschlossen von der Gemeinschaft. Es war sehr hart für mich.
Irgendwann schienen selbst die Therapeuten und Ärzte unzufrieden mit mir zu sein und machten mir Vorwürfe daß ich mich nicht richtig öffnen und meine wahren Gefühle und Gedanken zeigen würde!
Ich verstand überhaupt nicht was die eigentlich von mir wollten und fühlte mich von der Gesamtsituation völlig überfordert.

Relaxen im Garten
Besser wurde es erst als mein schwieriger Zimmergenosse wechselte und ich anfing mit einer Gruppe von Patienten öfter Trivial Pursuit, Tabu und Karten zu spielen.
Ich war so ungefähr nach 5 Wochen innerlich auf der Station angekommen und hatte einige freudschaftliche Beziehungen zu Mitpatienten.

Während der ganzen Zeit nutzte ich fast jede freie Minute um mich in unseren Garten abzusetzen, der mit dem Roller nur 5 Minuten vom Krankenhaus entfernt liegt, oder ein paar Stunden nach Hause zu fahren  um dieser schwierigen Situation zu entkommen und mich von der inneren Anspannung zu erholen - ich fühlte mich von der ganzen Therapie einfach nur unter Druck gesetzt - keinesfalls irgendwie befreit. Die Ängste, Sorgen und Depressionen wurden nicht besser und meine Therapeuten wurden zunehmend ratloser was sie mit mir anfangen sollten.

Kurz gesagt: Die ganze Therapie dort war ein Schuß in den Ofen und half mir nicht weiter. Zumindest fühlte und empfand ich das so.
Ich empfand dort nur Stress und Druck.
Vielleicht hätte ich die Therapie doch nicht ohne Gott machen sollen? Vielleicht hätte ich den Tag besser mit Gebet und meiner täglichen Bibellese beginnen sollen? 
Nur hätte ich dann noch erheblich früher aufstehen und mir einen stillen Platz suchen müssen, ich musste ja ohnehin spätestens um 6:30 Uhr aufstehen.

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