Meine Geschichte

Ich habe seit der Kindheit mit depressiven Zuständen zu tun. Hatte einen cholerischen und  fordernden, wenig lobenden und schlagenden Vater und eine superweiche Mutter, die unter der Ehe sehr litt und mehrere Suizidversuche unternahm. Den Ersten als ich erst 12 Jahre alt war.

Sie war auch teilweise stationär in psychiatrischer Behandlung, so daß ich schon als Kind mit dieser Krankheit massiv konfrontiert war.

Damals war es noch ein großes Tabuthema und wir hatten keinerlei Hilfe von außen damit umzugehen.

Ich bezeichnete mich schon als Kind als "Melancholiker" und litt oft unter dem, was ich damals "Weltschmerz" nannte. Als Jugendlicher kamen Drogen dazu, welche mich noch tiefer in den depressiven Strudel zogen. Ich hatte jeden Tag Selbstmordgedanken die ich allerdings nie in die Tat umsetzte, weil  ich zu feige war und eine nebulöse Hoffnung auf irgend ein Großereignis hatte, daß mich vielleicht befreien würde.

Als Halt hatte ich als Jugendlicher die Beziehung zu meiner damaligen Freundin (und jetzigen Frau) und meine Drogenklicke. Ich versuchte es mit tranzendentaler Meditation und Esoterik, was meiner Seele allerdings überhaupt nicht gut tat.

Eine starke Besserung erlebte ich durch die Hinwendung zum christlichen Glauben und die Gründung einer Familie. Ich konnte damals überhaupt nicht fassen, daß es mir dauerhaft seelisch so gut ging und ich dachte so geht es nun mein ganzes Leben lang weiter. Nun ja es ging mir viele Jahre lang sehr gut, wir gründeten eine Freikirche und bekamen vier Kinder. Gleichzeitig machte ich eine Fortbildung zum Krankenpfleger, da ich nur Krankenpflegehelfer war. Das Leben war erfüllt für mich.

Doch dann kamen Probleme in der Gemeinde und später auch Eheprobleme. Ich hielt mich eigentlich nur noch so über Wasser glaubte aber das Kapitel mit den Depressionen schon lange überstanden zu haben. Schließlich war ich doch ein Mann des Glaubens!

Ich nahm eine Stelle in einer Bibelschule als Musiker und Bibellehrer an, was eigentlich meinem Lebenstraum entsprach. Zu Anfang lief auch alles super. Ich hatte meine Leidenschaft (Lobpreismusik/moderner Gospel) zum Beruf gemacht und schwebte auf Wolke 7. Doch schon nach einem Jahr wurde der neue Beruf zunehmend schwierig für mich und ich fühlte mich überfordert von unseren frommen Konferenzen und dem Dasein als "Spielmann", der ständig für gute Laune zu sorgen hatte.

Als ich schließlich nach 3 Jahren einen kompletten Burnout erlitt und von der Bibelschule entlassen wurde zerbrach auch mein Lebenstraum und ich glitt dadurch immer tiefer in Depressionen ab - ohne mir das allerdings zuzugeben- Schuld waren ja schließlich "die Anderen".

Unsere Ehe kriselte immer mehr, eine Tochter von uns machte mit 13 einen Suizidversuch und verbrachte einige Monate in der Psychiatrie. Irgendwann in der Familientherapie, die Pflicht in der Kinder- und Jugendpsychiatrie war wurde mir klar, daß ich selbst ernsthaft an Depressionen erkrankt war und ich suchte irgendwann einen Psychiater und Neurologen auf, der mir ein gutes Medikament verschrieb, welches mir auch half.

Es löste allerdings nicht die Ursachen meiner Krankheit sondern linderte sie nur weitgehend, so das ich wieder arbeitsfähig wurde und in der ambulanten Krankenpflege arbeitete.

Die folgenden Jahre sahen so aus, daß es mir ein halbes Jahr lang ganz gut oder akzeptabel ging und das andere Halbjahr litt ich wie ein Hund an Depressionen.  Ab dem Monat November war meistens Schicht mit guter Laune und ich glitt in tiefste emotionale Löcher und Verzweiflung bis ich im Frühjahr ab April so langsam wieder auftauchte und neue Hoffnung schöpfte.

Manchmal reduzierte ich dann meine Medikamente oder nahm sie gar nicht mehr ein, weil ich eher "manisch und euphorisch" drauf war.

Oft dachte ich, nun hätte Gott mich endgültig geheilt, was sich aber als Irrtum herausstellte. Das Absetzen der Medikamente (Cipramil) hatte regelmäßige Totalabstürze zur Folge.

Dann folgte zu allem Überfluß eine Herzkrankheit mit großer Operation, die mich noch tiefer hineinriss. Irgendjemand oder irgendetwas gab mir die Kraft mich um einen Psychotherapeuten zu kümmern. (Eine Liste durchtelefonieren) Ich glaube nach meinem dritten oder vierten Anruf gab ich auf, aber einer meldete sich nach Wochen bei mir zurück und hatte einen Therapieplatz für mich.

Die Therapie (1 1/2 Jahre) half mir wirklich weiter und brachte mich auf einen guten Weg, obwohl ich weiterhin depressiv war. Aber irgendwie konnte ich einfach besser damit umgehen und leben. Und die depressiven Phasen wurden auch kürzer. Und die Hochphasen höher :-)

Im letzten Herbst entdeckte ich ein Blutdruckmedikament als "Übeltäter" bei mir und kam nach dem Medikamentenwechsel besser in Schwung, so daß ich mich wieder ein wenig sportlich betätigen konnte, was ich seit vielen Jahren nicht mehr konnte.
Regelmäßiger Ausdauersport hilft mir zur Zeit sehr und die übliche Winterdepression blieb dieses Mal aus. (Bis auf ein paar Tage) Mein Hausarzt entdeckte im Januar noch einen Vitamin B12- und Eisenmangel, welchen man über Tabletten ausgleichen kann. Auch das war sicher ein zusätzlicher Faktor für eine weitere Besserung meiner Symptome. Innerlich habe ich das Jahr 2010 nun zum "Jahr der Bewegung" für mich ausgerufen und will unbedingt dran bleiben an dieser positiven Entwicklung. Eine Aufwärtsspirale ist so viel besser als diese furchtbare Abwärtsspirale der Depression. Ich würde mich nicht als endgültig geheilt bezeichnen, aber ich hoffe, daß dieser gute Trend anhält. Zumindest versuche ich meinen Teil dazu zu tun.

Und diese Erkenntnis, daß ich selbst etwas gegen die Krankheit tun kann und ihr nicht völlig hilflos ausgeliefert bin gibt mir Hoffnung und Zuversicht.

Ich wünsche jedem Leser von Herzen alles erdenklich Gute!

Don Ralfo

Ps. Inzwischen ist viel passiert und ich habe mir zusätzlich noch eine nette Angststörung eingehandelt die mich von Ende 2012 bis Ende 2014 ganz schön auf Trab gehalten hat.

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