Montag, 13. Juli 2009

Was hat Dr. Gott Herrn Elia in seiner Erschöpfungsdepression verordnet?

Autor: Café in meiner Straße
Nach einem beeindruckenden Sieg in seinem Leben fühlt sich Elia plötzlich ausgebrannt. Er hat für seinen Gott geeifert und jetzt sieht alles so sinnlos aus. Er kann nicht mehr und die auf ihn einstürmenden Ereignisse werden ihm einfach zu viel.
Anstatt die Früchte seiner Taten geniessen zu können, wird er durch Isebel und Ahab nur noch mehr angefeindet. Sie wollen ihn sogar töten lassen. Eins kommt zum anderen wie das oft so ist. Elia kann nicht mehr und lässt sich innerlich fallen. Er ist mitten in einer Erschöpfungsdepression und fängt an, im Gebet zu jammern (1. Könige 19).
Dabei hatte alles so gut angefangen. In der Konfrontation mit den Baalspriester hat Elia sich furchtlos präsentiert, die Stimmung im Volk richtig eingeschätzt, die Konfrontation geschickt zugespitzt und Gott hat sein Handeln mit übernatürlichen Zeichen bestätigt. Am Ende hat Elia mit dem Volk an seiner Seite die Baalspriester komplett erledigt. Er war der Sieger des Tages.
Doch plötzlich fühlt sich der Winner-Typ als Looser. Wahrscheinlich konnte Elia sich das selbst am wenigsten erklären. Wenn wir weiterlesen, wie Gott auf diese Erschöpfungsdepression reagiert, und einmal die religiösen Scheuklappen beiseite lassen, finden wir erstaunliche Handlungsanweisungen Gottes. Als ich die Geschichte wieder neu gelesen habe, habe ich mich gefragt, was das denn für eine Art von Kommunikation zwischen den beiden ist.

Herr Elia klagt: “Alles sinnlos, alles Mist. Alles schlimm. Was habe ich nun von meinem Eifer? - Oh weh, ich bin so alleine und ausgegrenzt und alle sind hinter mir her. Was bleibt mir da noch übrig. - Und ich erzähle nur die Tatsachen, wie sie wirklich sind!!” - Und was macht Dr. Gott? Er schickt einen Engel vorbei, der eine Botschaft über Nahrung und Bewegung übermittelt:
  • Esse hier diese Spezialausdauernahrung
  • Jogge einen langen Weg. (weit mehr als ein Marathon)
  • Geh von deinen Problemen fort und flüchte. (weg von den Häschern Isebels)
Dieses Weg-Von steht ganz im Gegensatz zu der mutigen Konfrontation des Hin-Zu mit den Baalspriestern.
Am Zielort angekommen geht der Dialog zwischen Dr. Gott und Herrn Elia dann recht interessant weiter. Elia scheint inzwischen eine Vorliebe entwickelt zu haben, immer wieder die gleichen Jammertiraden zu wiederholen. Ja, er trainiert diese Gedankenmuster regelrecht. Insgesamt beschreibt er Gott drei Mal mit fast identischen Wort, wie es in ihm innerlich aussieht:
“Alles sinnlos, alles Mist. Alles schlimm. Was habe ich nun von meinem Eifer? - Oh weh, ich bin so alleine und ausgegrenzt und alle sind hinter mir her. Was bleibt mir da noch übrig. - Und ich erzähle nur die Tatsachen, wie sie wirklich sind !!”
Auf die Gefühlsbeschreibungen des Herrn Elias hin fragt Dr. Gott jedes Mal: “Und lieber Elia, was tust du hier gerade?” Eine interessante Frage, zumal er Elia ja selbst hier hergeschickt hat. Zum anderen, weil Dr. Gott das Gespräch damit vom Gefühlsmodus in den Handlungsbereich verlagert. Nach dieser Frage verordnet Dr. Gott erneut eine Handlungsanweisung: “Bewege dich nun vor den Höhleneingang.”
Fast kommt es mir beim Lesen so vor als würde Gott hier sagen, dass nach dem körperlichen Training nun in Phase 2 das Aufmerksamkeitstraining dran ist. In diesem Aufmerksamkeitstraining wird ganz kräftig mit Symbolen gearbeitet: Feuer, Erdbeben, Sturm und Regen.
Alles Symbole, die wunderbar zu Elias Gemütszustand passen: Alles nur Kampf und Auseinandersetzungen, genau wie bei den Baalspriestern und bei den Gewittern. Am Ende geht doch eh immer alles den Bach runter wie nach einem Sturm. Alles wird immer kaputt gemacht - wie bei einem Erdbeben. In all diesen Urkräften bin ich sowieso nur ein hilfloser Spielball.”
Doch das Lernergebnis in diesem fokussierten Tunnel-Aufmerksamkeitstraining ist, dass es da noch etwas anderes gibt. Es gibt die lauen Lüftchen. Diese sanften Winde verdienen die Hauptaufmerksamkeit, weil darin Gott zu erfahren ist. Instinktiv spürt Elia das und reagiert, indem er sein Gesicht in seinem Mantel verhüllt.
Nachdem Elia nun seine Aufmerksamkeit auf sanfte Phänomene gerichtet hat, entfaltet sich wieder ein interessantes Gespräch zwischen Dr. Gott und Herrn Elia. Elia noch immer im Jammermodus. Und Gott scheinbar noch immer taub auf diesem Ohr im Aktivitätenmodus: “Was tust du hier? - Kehre jetzt wieder um und jogge zurück, woher du gekommen bist. Ich werde mit dir sein und dir andere Menschen als Hilfe für dein Anliegen zur Seite stellen.”
Was habe ich also bislang in dem biblischen Bericht gelesen?
  • Gott geht erst sehr viel später auf das eigentliche Problem von Elia inhaltlich ein.
  • Er verordnet ihm zwei straffe Bewegungseinheiten und gibt ihm gutes Essen.
  • Gott geht auf die Jammerei von Elia nicht ein, sondern fragt danach, was Elia gerade jetzt tut. Er geht nicht einmal auf die Vergangenheit ein.
  • Gott lehrt Elia, dass er nicht in den dramatischen Dingen, sondern in den sanften Dingen zu finden ist.
  • Gott stellt Elia andere Menschen zur Seite. Keine Seelsorger, sondern Menschen, die bei ganz praktischen Dingen mithelfen sollen.
Befindest du dich gerade auch in einer Erschöpfungsdepression? Wenn ja, dann beschäftige dich doch einmal mit dieser Geschichte in 1. Könige 19. Vielleicht hat Dr. Gott dir auch das eine oder andere Interessante zu sagen.
Dann wirst du erstaunt feststellen, dass Gott viel weniger religiös und unprätentios darherkommen wird als dies in vielen christlichen Gottesdiensten der Fall zu sein scheint. Dr. Gotts Vorgehen passt eigentlich wunderbar zu den Erkenntnissen, die wissenschaftlich erst jetzt immer besser erforscht werden: Regelmäßige Bewegung, Genuss von wertvoller Nahrung, gedankliche Disziplin und das Ausrichten auf das Hier und Jetzt helfen gegen unseren Blues.
Frage Gott nach persönlichen Lösungen und schreibe mir, was du erlebt hast.
Ich bin auf Gottes orginelle Lösungen gespannt, weil ich glaube, dass Gott noch ganz andere erstaunliche Lösungsansätze in deinem ganz speziellen Fall parat hat.
Es würde mich nicht wundern, wenn Dr. Gott dir als Therapie verordnet, dass du dir in deinem Wohnzimmer jeden Tag eine Stunde lang deine Sorgen wie ein Wilder von der Seele tanzen sollst !?!
Wundere dich nicht, wenn du von Gott zu hören bekommst: “Pack endlich wieder deine Tanzschuhe aus.”


P.S.: Der Kirchenvater Augustinus meinte einmal, dass wir hier auf der Erde tanzen lernen sollten, damit wir nicht unvorbereitet in den Himmel kommen.
Bilder: 1 Fotos8com, 2 Kevin Eddy (Flickr.com)

1 Kommentar:

  1. Echt gut erzählt die Geschichte von Elia. Man kann ne Geschichte so oft lesen und immer wieder lernt Gott einem durch seinenGeist was anderes daraus. Danke für den Tip, will ich mir auch noch mal durchlesen.

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