Dienstag, 23. Juni 2009

Johanniskraut - gefährliche Wechselwirkungen

Johanniskraut hilft bei leichten bis mittelschweren Depressionen. Das ist erwiesen und wissenschaftlich dokumentiert.
Bei mir war es die "Einstiegsdroge" Jahre bevor ich mich in fachärztliche Behandlung begab.
Die Stimmung hellt sich auf und man kann besser schlafen. Die Wirkung setzt allerdings erst nach ca 14 Tage kontinuierlicher Einnahme ein, da sich erst ein wirksamer Spiegel der Droge im Körper aufbauen muß. Ich begann mit dem freiverkäuflichen Tee und machte schon bald darauf Bekanntschaft mit der einzigen Beschriebenen Nebenwirkung des Beipackzettels, der Lichtempfindlichkeit. (Neben der sehr angenehmen Stimmungsaufhellung)
Im Sommer gehe ich gern öfter ins Freibad oder an einen See zum Schwimmen und Sonnenbaden.
Eines Tages bemerkte ich hinter meiner Sonnenbrille um die Augenpartien ein heftiges brennen.
Es war kein Sonnenbrand, sondern eine entzündliche Reaktion der Haut durch das Johanniskraut. Ziemlich unangenehm das.
Ich trank den Tee nicht mehr und stieg in den folgenden Jahren auf die Pillen um. Beim Sonnenbaden war ich nun vorsichtiger und erlebte auch nie wieder solch eine heftige Hautreaktion.

Irgendwann viel später verschrieb der Arzt mir Cipramil und später Fluoxetin, zwei sogenannte SSRI, das sind Antidepressiva neueren Typs, die sehr gut wirken (Serotoninwiederaufnahmehemmer), nicht körperlich abhängig machen und gut verträglich sind.
In den Phasen, wo es mir seelisch gut ging, reduzierte ich oft diese Medikamente und setzte sie manchmal sogar ganz ab, was sich meistens schwer rächte, da ich dadurch wieder in schlimme depressive Phasen abglitt.
Es dauert meistens auch sehr lange, bis man trotz Medikamenten aus dem depressiven Tal wieder auftaucht. Bei mir manchmal ein halbes Jahr und länger.
So nahm ich ab und zu Johanniskraut zusätzlich, was den Prozess des "Wiederauftauchens" aus dem Tal erheblich beschleunigte.
In diesem Winter 2008/2009 war das wieder einmal der Fall und ich konnte meine Winterdepressionen erheblich abkürzen. Allerdings hatte ich im Frühjahr plötzlich sehr schlechte und beunruhigende Leberwerte. Ein Leberbiopsie stand schon im Raum und mein Doktor schaute mich besorgt an. Ich machte eine Diät und verzichtete komplett auf Alkohol.
Die Leberwerte wurden kaum besser.
Ich muss aufgrund anderer internistischer Erkrankungen noch eine Reihe von anderen Medikamenten einnehmen.
Auf dem Beipackzettel meines Fluoxetin las ich eine Gegenanzeige für das Johanniskraut und forschte darüber im Internet nach.
Und siehe da: Johanniskraut kann den Abbau anderer Medikamente in der Leber beeinflussen und dadurch Leberschäden verursachen.
Sofort setzte ich das Johanniskraut ab und ging sechs Wochen später noch einmal zur Blutentnahme. Und siehe da - die Leberwerte sind wieder in Ordnung.

Selbstmedikation ist oft nicht zu empfehlen und auch "natürliche" Arzneimittel sind Drogen, die oft ungeahnte Nebenwirkungen haben können. Die Gleichung: Pflanzlich=Gesund und Chemie=Ungesund ist leider völlig falsch. Auch Pflanzen beinhalten Chemie. Die Gleichung Pflanzlich=Unwirksam und Chemie=Wirksam ist ebenso verkehrt.
Entscheidend ist der fachmännische Gebrauch, die Vorsicht bei den Kombinationen von Medikamenten (Wechselwirkungen) und die richtige Dosierung.
Johanniskraut ist nicht umsonst mittlerweile verschreibungspflichtig geworden. Allerdings gibt es in der Drogerie immer noch Johanniskrautpäparate (als Nahrungsergänzungsmittel?) zu kaufen. Und dort steht auf dem Beipackzettel überhaupt nichts von Wechselwirkungen und Gegenanzeigen.
Also bitte auch alle freiverkäuflichen und pflanzlichen Medikamente mit dem Arzt oder der Apotheke besprechen, denn es gibt auch noch andere Wirkstoffe außer dem Johanniskraut, die erhebliche Schäden verursachen können.

Ende der Schonzeit für pflanzliche Arzneimittel...

Kommentare:

  1. Tja, Donralfo, so ist es leider. Unsere "treuesten" Wiederkehrer sind meist diejenigen, die meinen, wenn es mir gut geht, kann ich die Medis absetzen. Ich benutze diesen Patienten gegenüber gern das Beispiel, dass man ein Herzmedikament auch nicht absetzt, wenn das Herz wieder regelmäßig schlägt. Und zu den Nahrungsergänzungen: Ich habe seit ca. 8 Jahren Schwarzkümmelöl eingenommen um meine Allergie im Zaum zu halten. Und es hat gut gewirkt. Als letztens bei mir ein Abdomen-Sono gemacht wurde, wurde eine Fettleber diagnostiziert. Auf meine Frage an den Arzt wo die denn herkäme, sagte er: Entweder zu viel fettes Fleisch, zu viel Fast Food oder zu viel Alkohol. Darauf ich. "Und woher hab' ich 'se?" Vor ca. einem Monat habe ich dann das besagte Öl weggelassen. Mal schauen.

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  2. Vor vielen Jahren habe ich auch mal Johanniskraut ausprobiert. Die Nebenwirkungen waren mir allerdings bekannt: die standen nämlich doch auf dem Beipackzettel. Na gut, der "Versuch" lief damals im Winter und ich habe ihn nach anderthalb Monaten dann auch wieder abgebrochen. Was die "Schonzeit" angeht, so halte ich es generell für überzogen, pflanzlichen Arzneimitteln die rote (Apotheker-)Karte zu zeigen. Es zeugt meiner Meinung nach von einem verfehlten "Puritanismus" von Seiten des Gesetzgebers. Es gibt doch nun wirklich andere (Drogen-)Probleme, oder?
    Abgesehen davon ist natürlich vollkommen klar, dass eine Therapie wesentlich empfehlenswerter als irgendwelche Substanzen ist.
    Gruss von Peter

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  3. @Philgeland: Mist, habe die Kommentare erst jetzt bemerkt.
    Wenn die Nebenwirkungen auf dem Beipackzettel standen, hast Du sicher die teuren (und jetzt verschreibungspflichtigen) Präparate aus der Apotheke gekauft. Die weiterhin Rezeptfreien Präparate aus der Drogerie haben weiterhin lediglich die Warnung vor der "Lichtallergie" im Beipackzettel.
    Danke für die Kommentare
    Gruß
    Ralf

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  4. @Ralf
    Die Kapseln waren aus dem Drogeriemarkt. Stimmt schon: der einzige wesentliche Hinweis in Bezug auf Nebenwirkungen, an den ich mich erinnere, war die besagte "Lichtempfindlichkeit". Mein "Versuch' damals hatte eine, wenn auch nur dezente, "stimmungshebende Wirkung" zur Folge. Auf lange Sicht halte ich solche Sachen aber für eine Einbahnstrasse. Trotzdem: im Vergleich zu Alkohol, Nitkotin oder illegalen Drogen scheint der "Stoff" doch eher harmlos zu sein ...
    Gruss von Peter

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