Sonntag, 18. November 2012

5 Wochen Hölle - Teil 1

Am Sonntag ging ich trotz Rückenschmerzen zum Gottesdienst. Die harten Plastikstühle taten meinem Rücken nicht gut und ich war nach dem Gottesdienst schnell verschwunden, obwohl ich einige Freunde in den vorderen Reihen bemerkte, mit denen ich sicher ein wenig nach dem Godi geplauscht hätte.
Mittags musste ich dann einen Riesenberg Pellkartoffeln für den Kartoffelsalat pellen, wobei mein Rücken noch mehr weh tat. Wir erwarteten ja Besuch zum Essen.

Am nächsten Tag brach die Hölle über mich herein. Die Schmerzen wurden schlimmer und schlimmer und meine sonst so hilfreichen Voltaren Tabletten halfen überhaupt nicht mehr.
Ich konnte vor Schmerzen nicht mehr richtig schlafen - nur noch 2 - 4 Stunden am Stück. Danach saß ich im Sessel vor dem Fernseher oder am PC und konnte nicht zur Ruhe kommen. Nach einer Woche war ich beim Hausarzt der mir härteren Stoff verschrieb: Tramal Tropfen. Die halfen mir auch nicht wirklich, obwohl ich dazu immer weiter Voltaren Tabletten nahm.
Am nächsten Tag musste ich von dem Zeug ein paar Stunden lang kotzen und hatte einen Eimer am Bett.


Draufhin verschrieb mir mein Doc Tilidin Tropfen, das altbekannte Valoron. Und Guess what? Auch die reichten nicht lange aus. Nach einer Weile war ich von dem Zeug dermaßen zugedröhnt, daß ich mich weder auf Tageszeitung noch auf Fernsehen konzentrieren konnte.
Nachts wenn ich nicht schlafen konnte saß ich in meinem mit einem großen Kopfkissen ausgepolstertem Sessel und versuchte TV zu gucken obwohl mich alles anödete. Die Schmerzen waren einfach zu präsent.
Auch den PC habe ich nachts hin und wieder angeworfen, hielt es auf meinem PC- Chefsessel aber nie lange aus.
Dann wieder im Bett herumwälzen und eine halbwegs schmerzfreie Position finden, was aber selten möglich war.

Nach einiger Zeit bestellte ich uns im Internet orthopädische Matratzen um den Rücken zu entlasten, welche auch schnell eintrafen und die auch die Lage etwas verbesserten.

Nach ziemlich genau 3 Wochen bemerkte ich abends daß mir beim Zähneputzen Wasser aus dem Mund rieselte wenn ich den Mund ausspülen wollte. Ich dachte gleich an einen Schlaganfall, bei dem halbseitige Lähmungen üblich sind. Dann hätte ich sofort ins Krankenhaus gemusst.
In der Nacht stieg die Panik bei mir und früh am Morgen bat ich meine Frau mich ins nächste Krankenhaus mit einer Neurologieabteilung zu bringen. Sie war ganz schön alarmiert, weil sie früher auf einer Neurologiestation gearbeitet hatte und sich gut auskennt.

In der Notaufnahme durfte ich mich alsbald auf eine Trage legen und bekam sogar später ein Kopfkissen aber keine Zudecke. Ich fror in dem kleinen Behandlungsraum und musste für mein Zeitgefühl lange auf eine Ärztin warten.
Die bat mich die Stirn zu runzeln und mit dem Mund Grimassen zu schneiden. Meine Alarmstimmung verbesserte sich nicht gerade als Blut abgenommen wurde und ich zur Vorbereitung für eine Lumbalpunktion ein Plastik-Schnapsgläschen Valium mit einem Schmerzmittel erhielt.

Nach eine gefühlten Stunde war mir durch die Sedierung etwas besser zumute und ich hatte mich notdürftig mit meiner Jacke zugedeckt weil ich immer noch so fror.

Bei der Lumbalpunktion musste ich sitzen und mir wurde eine Nadel in den Wirbelkanal der Lendenwirbel geschoben um Liquor (Rückenmarkflüssigkeit) abzuziehen der sofort untersucht wurde. Danach ging es ab zum CT des Kopfes, während die Rückenschmerzen sich unauffällig verpissten, was ich dankbar registrierte. Ich wurde stationär aufgenommen und in ein Zimmer geschoben, daß ich mit 2 anderen Patienten teilte. Einer war ein dementer Senior aus einem Pflegeheim der hauptsächlich schlief.
Ich war dankbar dafür daß es im Zimmer ruhig war, denn seit einiger Zeit hatte ich eine hohe Empfindsamkeit gegen laute Geräusche entwickelt, die mich sehr störten. Auch lautes Reden oder Musik waren für mich schmerzhaft bis unerträglich geworden.

Am frühen Nachmittag kam dann die Oberarzt-Visite wobei ich nochmals untersucht wurde. Mir wurde eröffnet, daß ich keinen Schlaganfall hätte, sondern eine periphere Lähmung der Gesichtnerven auf der rechten Seite, was mich schon etwas entlastete. Mittlerweile konnte ich das rechte Auge nicht mehr richtig schließen und ich bekam Augentropfen und Salbe zur Nacht, damit das Auge nicht austrocknete.

Abends bekam ich eine Tablette Kortison zusätzlich zu meinem üblichen Haufen an Medikamenten und einer Magenschutz-Tablette.
Sie löste ein merkwürdiges Hitzegefühl in meiner Brust aus, daß aber nicht unbedingt unangenehm war.
Man gab mir zur Beruhigung eine Baldriantablette als ich um ein Schlafmittel bat.
Ab 3 Uhr nachts wanderte ich unruhig den Gang auf und ab, aber die Rückenschmerzen blieben glücklicherweise aus - seltsamerweise seit der Lumbalpunktion. Allerdings humpelte ich beim Gehen beträchtlich.

Am nächsten Morgen eröffnete mir die Ärztin, daß ich nachmittags nach Hause könnte, wenn ich wollte. Sonst würde man mich zur Sicherheit noch eine Nacht länger da behalten, aber auch nichts weiter unternehmen als die Kortisonbehandlung fortzuführen.

Am späten Vormittag hörte ich auf dem Gang ein Schluchzen und weinen und dachte mir: Da muß wohl jemand starke Schmerzen haben. Ich versuchte das Geräusch zu ignorieren, denn es ging mir ja selber nicht gut und ich hatte auch kaum geschlafen.
Später ging ich auf die Toilette, die in unserem Zimmer war und die auch eine Tür zum Nachbarzimmer besaß. Als ich dort so saß, hörte ich das Wimmern und laute Weinen sehr deutlich und laut. Jemand ein paar Meter weiter war ohne Maßen verzweifelt und litt augenscheinlich unsagbare Schmerzen.
Ich war so betroffen, als ob ich selbst diese Schmerzen leiden müsse und bemerkte, daß ich so überreizt und dünnhäutig geworden war, daß ich kaum noch einen Abstand zu dem Geschehen wahren konnte.
Mein Magen krampfte sich vor Mitleid zusammen und ich begann zu beten: "Lieber Vater im Himmel, bitte berühre diesen Menschen jetzt mit deiner Gegenwart, deinem Trost und deiner Heilung! Herr, kein Mensch sollte so leiden müssen wie dieser hier, egal was auch immer er verbrochen haben mag.
Solch ein Elend wie in dieser Stimme vernehmbar gönne ich selbst meinem schlimmsten Feind nicht. Herr Jesus bitte komme du und lege deine Hände auf diese Person.
Herr, wie gern hätte ich deine Kraft zu heilen - ich würde sofort durch diese Tür gehen und den Menschen gesund machen!"
Als ich wieder im Bett lag wurde daß Weinen und wimmern leiser und erstarb bald.


Meine Frau, die zum Glück für mich diese Woche Urlaub hatte, holte mich nachmittags ab. Es dauerte eine Weile ihr zu erklären wie dünnhäutig und Geräuschempfindlich ich mittlerweile geworden war.
Jedes laute Gespräch verursachte Übelkeit bei mir.
Auf dem Weg zum Fahrstuhl bemerkte ich einige weinende Menschen, offenbar Angehörige eines Patienten. Meine Frau raunte mir zu: "Da ist wohl jemand gerade verstorben."
 Das muß wohl die Person im Nachbarzimmer gewesen sein, dachte ich mir - und das laute Weinen war vielleicht eine Frau gewesen, die ihren Mann verloren hatte? Oder ein Kind seine Mutter oder seinen Vater?

Zuhause angekommen konnte ich nur 10 Minuten verweilen, denn ich hatte nachmittags noch einen Termin beim Hausarzt, der mir das Kortison weiter verschreiben sollte. Ein unglaublicher Stress für mich, der ich sehnlich auf mein bequemes Bett und auf Ruhe wartete. Die gehen ja mit dem Kortison ganz schön ran, sagte mein Hausarzt, der mir Tabletten von 50mg verschrieb von denen ich morgens und abends eine Halbe nehmen sollte - für 10 Tage.

>> Fortsetzung

Kommentare:

  1. lieber ralf, tut mir sehr leid dass du so viel leiden und schmerzen hast. was schmerzen betrifft, davon bin ich seit einer woche auch betroffen, kann kaum noch 1 nacht schlafen, weil meine finger und hände weh tun. es fühlt sich an wie wenn die von innen mit feuer brennen würden, von aussen fühl ich oft ein gribbeln und wie betäubt. hab jetzt alle bluttest hinter mir ob es entzündliches rheuma ist, also halt erst mal die ganzen wege um eine diagnose zu finden. was schmerzen betrifft, kann ich sehr gut mit dir mitfühlen.

    was deine rückenschmerzen betreffen, mein schwager hatte das auch so schlimm mit den schmerzen, nichts half wirklich. nicht die stärksten schmerzmittel. dann bekam er morphiumpflaster verschrieben. er meinte das wär das aller beste gewesen und hätte als einziges langzeitig gegen die schmerzen geholfen. es gibt nämlich nur morphium ab in der menge wie stark der schmerz ist.

    mir wollte der arzt auch voltaren verschreiben wegen den schmerzen, aber ich nehm so ungern schmerzmittel, da hat er mit von sandoz schmergel verschrieben auf privatrezept (der orthopäde) mein apotheker der mich gut kennt meinte ich können mir das held bei den schmerzen die ich beschriebe sparen, denn das bringt gar nichts. mein hausarzt wollte mir dann erst mal ibupfofen verschreiben, aber ich hab so angst wegen meiner leber und weil ich nur noch 1 niere habe. bin zwar jetzt entgültig hepatitis c virenfrei, aber die leber muss sich ja erholen, regenerieren. die schmerzen konnte ich aber auch nicht mehr aushalten. da liess ich mich dann drauf ein dass er mir naproxen verschrieb. hat aber nichts gebracht obwohl ich 2 genommen hab, nachdem 1 nicht half. erstaunlicherweise hab ich heute nacht keine schmerzen gehabt obwohl ich die tabletten nicht genommen habe.

    sorry ich labere dich hier voll, obwohl es dir so schlecht geht. ich kann auch nachempfinden dass du nicht mehr so viel hier schreiben kannst und wenn dann mit unterbrechungen und pausen. bei mir ist es so, wenn ich schreibe fängt es wieder an in den fingern zu gribbeln und weh zu tun. nachts und morgends ist es am schlimmsten, sobald ich aufstehe und meine rituale katzen/frühstück mache sind die schmezen wie weggeblasen, deswegen kann ich auch nicht mehr so viel schreiben obwohl ich doch so ein schreib und überhaupt pc fan bin.

    wollte auch nur zum ausdruck bringen dass ich mit die mitfühlen kann und wegen den morphiumpflaster sprech da mal mit deinem arzt drüber. das was das einzige was meinem schager gegen die höllischen schmerzen geholfen hat. er wurde dann auch am rücken operiert, jetzt gehts ihm wieder gut.

    was sind deine rückenschmerzen denn für eine Diagnose, woher kommt es warum hast du das ?

    liebste Grüße und ich bete für dich/euch, dass ihr kraft, bewahrung und weisheit bekommt und nervlich gestärkt die situation bald ein ende hat, so dass es dir wieder gut geht.

    lg und gottes segen für dich und deine frau mit familie <3

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