Montag, 21. September 2009

Werte und Werteverfall im Gesundheitswesen

Pater Anselm Grün zum Thema Werte und Werteverfall im Gesundheitswesen:
Referat vom Benediktinerpater anlässlich der ersten großen Patientendemonstration gegen "Reformen" im Gesundheitswesen
München, 7. Juni 2008, Olympiastadion
WERTE UND WERTEVERLUST IM GESUNDHEITSWESEN
Wenn ich über Werte und Wertverlust spreche, möchte ich das nicht mit einem moralisierenden Zeigefinger. Vielmehr möchte ich für Werte werben. Wir sprechen heute vom Wertverfall. Doch Werte können nicht verfallen. Aber wir können die Beziehung zu ihnen verlieren. Es herrscht heute in der Gesellschaft eine große Sehnsucht, wieder aus
den Werten zu leben. Denn die Menschen sind überzeugt, dass das Leben ohne Werte wertlos wird. Werte machen unser Leben wertvoll. Das lateinische Wort für Wert heißt „virtus“. Das meint: Werte sind Kraftquellen, aus denen wir schöpfen können. Das englische Wort für Wert „value“ kommt von valere, das gesundsein bedeutet. Werte sind Quellen der Gesundheit. Ohne Werte wird das Gesundheitswesen wertlos. Und wenn der Finanzwert absolut gesetzt wird, wird der Mensch entwertet. Ein entwerteter Mensch kann aber nicht gesund werden.
> Weiterlesen...

Montag, 10. August 2009

Pilgern gegen die Depression

Exakt 1500 Kilometer hat er zu Fuß zurückgelegt, 54 Etappen ist er auf dem Jakobsweg von Flensburg bis nach Konstanz gelaufen. Günter Schallenmüller ist jedoch kein Pilger, dem es auf seiner Reise vorrangig um ein spirituelles Erlebnis geht. Er möchte mit seiner Wanderschaft quer durch die Republik aufmerksam machen auf das Thema Depression und die vielfachen Formen der Stigmatisierung, unter denen Betroffene oftmals zu leiden haben.

> Weiterlesen...

> Lesen Sie auch:
> Was hat Dr. Gott Herrn Elia in seiner Erschöpfungsdepression verordnet?

Sommerdepression?

Davon hatte ich bisher noch nichts gehört:

Sommerliches Seelentief
Wenn grauer Himmel und kurze Tage auf die Stimmung schlagen, spricht man von Winterdepression. Doch manche Menschen leiden besonders in der sonnigen Jahreszeit.
> weiterlesen...

Dienstag, 28. Juli 2009

Lebenselixier für Depressive

Solltest Du vielleicht gerade jetzt in gedrückter Stimmung sein, gucke Dir dieses Filmchen vielleicht mehrmals hintereinander an... :-)

Montag, 13. Juli 2009

Was hat Dr. Gott Herrn Elia in seiner Erschöpfungsdepression verordnet?

Autor: Café in meiner Straße

Nach einem beeindruckenden Sieg in seinem Leben fühlt sich Elia plötzlich ausgebrannt. Er hat für seinen Gott geeifert und jetzt sieht alles so sinnlos aus. Er kann nicht mehr und die auf ihn einstürmenden Ereignisse werden ihm einfach zu viel.

Anstatt die Früchte seiner Taten geniessen zu können, wird er durch Isebel und Ahab nur noch mehr angefeindet. Sie wollen ihn sogar töten lassen. Eins kommt zum anderen wie das oft so ist. Elia kann nicht mehr und lässt sich innerlich fallen. Er ist mitten in einer Erschöpfungsdepression und fängt an, im Gebet zu jammern (1. Könige 19).

Dabei hatte alles so gut angefangen. In der Konfrontation mit den Baalspriester hat Elia sich furchtlos präsentiert, die Stimmung im Volk richtig eingeschätzt, die Konfrontation geschickt zugespitzt und Gott hat sein Handeln mit übernatürlichen Zeichen bestätigt. Am Ende hat Elia mit dem Volk an seiner Seite die Baalspriester komplett erledigt. Er war der Sieger des Tages.

Doch plötzlich fühlt sich der Winner-Typ als Looser. Wahrscheinlich konnte Elia sich das selbst am wenigsten erklären. Wenn wir weiterlesen, wie Gott auf diese Erschöpfungsdepression reagiert, und einmal die religiösen Scheuklappen beiseite lassen, finden wir erstaunliche Handlungsanweisungen Gottes. Als ich die Geschichte wieder neu gelesen habe, habe ich mich gefragt, was das denn für eine Art von Kommunikation zwischen den beiden ist.

Herr Elia klagt: “Alles sinnlos, alles Mist. Alles schlimm. Was habe ich nun von meinem Eifer? - Oh weh, ich bin so alleine und ausgegrenzt und alle sind hinter mir her. Was bleibt mir da noch übrig. - Und ich erzähle nur die Tatsachen, wie sie wirklich sind!!” - Und was macht Dr. Gott? Er schickt einen Engel vorbei, der eine Botschaft über Nahrung und Bewegung übermittelt:

  • Esse hier diese Spezialausdauernahrung
  • Jogge einen langen Weg. (weit mehr als ein Marathon)
  • Geh von deinen Problemen fort und flüchte. (weg von den Häschern Isebels)

Dieses Weg-Von steht ganz im Gegensatz zu der mutigen Konfrontation des Hin-Zu mit den Baalspriestern.

Am Zielort angekommen geht der Dialog zwischen Dr. Gott und Herrn Elia dann recht interessant weiter. Elia scheint inzwischen eine Vorliebe entwickelt zu haben, immer wieder die gleichen Jammertiraden zu wiederholen. Ja, er trainiert diese Gedankenmuster regelrecht. Insgesamt beschreibt er Gott drei Mal mit fast identischen Wort, wie es in ihm innerlich aussieht:

“Alles sinnlos, alles Mist. Alles schlimm. Was habe ich nun von meinem Eifer? - Oh weh, ich bin so alleine und ausgegrenzt und alle sind hinter mir her. Was bleibt mir da noch übrig. - Und ich erzähle nur die Tatsachen, wie sie wirklich sind !!”

Auf die Gefühlsbeschreibungen des Herrn Elias hin fragt Dr. Gott jedes Mal: “Und lieber Elia, was tust du hier gerade?” Eine interessante Frage, zumal er Elia ja selbst hier hergeschickt hat. Zum anderen, weil Dr. Gott das Gespräch damit vom Gefühlsmodus in den Handlungsbereich verlagert. Nach dieser Frage verordnet Dr. Gott erneut eine Handlungsanweisung: “Bewege dich nun vor den Höhleneingang.”

Fast kommt es mir beim Lesen so vor als würde Gott hier sagen, dass nach dem körperlichen Training nun in Phase 2 das Aufmerksamkeitstraining dran ist. In diesem Aufmerksamkeitstraining wird ganz kräftig mit Symbolen gearbeitet: Feuer, Erdbeben, Sturm und Regen.

Alles Symbole, die wunderbar zu Elias Gemütszustand passen: Alles nur Kampf und Auseinandersetzungen, genau wie bei den Baalspriestern und bei den Gewittern. Am Ende geht doch eh immer alles den Bach runter wie nach einem Sturm. Alles wird immer kaputt gemacht - wie bei einem Erdbeben. In all diesen Urkräften bin ich sowieso nur ein hilfloser Spielball.”

Doch das Lernergebnis in diesem fokussierten Tunnel-Aufmerksamkeitstraining ist, dass es da noch etwas anderes gibt. Es gibt die lauen Lüftchen. Diese sanften Winde verdienen die Hauptaufmerksamkeit, weil darin Gott zu erfahren ist. Instinktiv spürt Elia das und reagiert, indem er sein Gesicht in seinem Mantel verhüllt.

Nachdem Elia nun seine Aufmerksamkeit auf sanfte Phänomene gerichtet hat, entfaltet sich wieder ein interessantes Gespräch zwischen Dr. Gott und Herrn Elia. Elia noch immer im Jammermodus. Und Gott scheinbar noch immer taub auf diesem Ohr im Aktivitätenmodus: “Was tust du hier? - Kehre jetzt wieder um und jogge zurück, woher du gekommen bist. Ich werde mit dir sein und dir andere Menschen als Hilfe für dein Anliegen zur Seite stellen.”

Was habe ich also bislang in dem biblischen Bericht gelesen?

  • Gott geht erst sehr viel später auf das eigentliche Problem von Elia inhaltlich ein.
  • Er verordnet ihm zwei straffe Bewegungseinheiten und gibt ihm gutes Essen.
  • Gott geht auf die Jammerei von Elia nicht ein, sondern fragt danach, was Elia gerade jetzt tut. Er geht nicht einmal auf die Vergangenheit ein.
  • Gott lehrt Elia, dass er nicht in den dramatischen Dingen, sondern in den sanften Dingen zu finden ist.
  • Gott stellt Elia andere Menschen zur Seite. Keine Seelsorger, sondern Menschen, die bei ganz praktischen Dingen mithelfen sollen.

Befindest du dich gerade auch in einer Erschöpfungsdepression? Wenn ja, dann beschäftige dich doch einmal mit dieser Geschichte in 1. Könige 19. Vielleicht hat Dr. Gott dir auch das eine oder andere Interessante zu sagen.

Dann wirst du erstaunt feststellen, dass Gott viel weniger religiös und unprätentios darherkommen wird als dies in vielen christlichen Gottesdiensten der Fall zu sein scheint. Dr. Gotts Vorgehen passt eigentlich wunderbar zu den Erkenntnissen, die wissenschaftlich erst jetzt immer besser erforscht werden: Regelmäßige Bewegung, Genuss von wertvoller Nahrung, gedankliche Disziplin und das Ausrichten auf das Hier und Jetzt helfen gegen unseren Blues.

Frage Gott nach persönlichen Lösungen und schreibe mir, was du erlebt hast.

Ich bin auf Gottes orginelle Lösungen gespannt, weil ich glaube, dass Gott noch ganz andere erstaunliche Lösungsansätze in deinem ganz speziellen Fall parat hat.

Es würde mich nicht wundern, wenn Dr. Gott dir als Therapie verordnet, dass du dir in deinem Wohnzimmer jeden Tag eine Stunde lang deine Sorgen wie ein Wilder von der Seele tanzen sollst !?!

Wundere dich nicht, wenn du von Gott zu hören bekommst: “Pack endlich wieder deine Tanzschuhe aus.”


P.S.: Der Kirchenvater Augustinus meinte einmal, dass wir hier auf der Erde tanzen lernen sollten, damit wir nicht unvorbereitet in den Himmel kommen.

Bilder: 1 Fotos8com, 2 Kevin Eddy (Flickr.com)

Hausmittel gegen Depressionen

So entkommen Sie dem „schwarzen Loch“

Antriebslosigkeit, Grübelzwang, innere Unruhe, Schlafstörungen, soziale Selbstisolation, emotionale Barrieren - das typische Krankheitsbild bei Depressionen gibt es nicht. Vielmehr sind die Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt, haben aber eines gemeinsam: Schnell befindet sich der Betroffene in einem Teufelskreis, aus dem er nur schwer alleine wieder herauskommt. Oft folgen dann noch körperliche Beschwerden. Schätzungen zu Folge leiden derzeit etwa vier Millionen Deutsche unter der psychischen Erkrankung. Neben einem empfohlenen Besuch beim Hausarzt und einer eventuellen Überweisung zum Psychiater, gibt es eine ganz Reihe erfolgreicher Hausmittel für leichte und mittelschwere Fälle.

> Weiterlesen...

Dienstag, 30. Juni 2009

Religiosität, Spiritualität, Gebet und psychische Gesundheit

Religiosität, Gläubigkeit, Spiritualität, die Kraft des Gebetes – Begriffe und vor allem innere Einstellungen, die heute nicht nur zur Diskussion, sondern sogar in Frage gestellt werden, scheinbar. Das betrifft vor allem Deutschland, möglicherweise auch den größeren Teil der europäischen Staaten. Obwohl man meint, dies sei vor allem eine Frage der Glaubensrichtung und deshalb für die westliche Welt typisch, lassen die Erkenntnisse aus den USA wieder aufhorchen. Und auch in den übrigen westlichen Staaten scheint sich ein Umdenken anzubahnen.

In diesem Zusammenhang wird auch die Frage erörtert: Haben Gläubigkeit, Religiosität, Spiritualität und das Gebet auch Einfluss auf die Gesundheit, seelisch, körperlich, psychosozial? Und könnte man des Menschen „höchstes Gut“, also eben diese Gesundheit durch eine religiöse Einstellung stärken, besonders im Krankheitsfall? Und wenn ja, wie sollten die Therapeuten damit umgehen?

Dazu eine Übersicht aus jenen Kreisen, die sich sowohl psychologisch, als auch theologisch mit diesem Thema beschäftigen. Sinnstiftend, vielleicht sogar gezielt unterstützend könnte es schon sein, meinen inzwischen auch einige Vertreter der Gesundheits-Berufe. Die Diskussion beginnt...

> Weiterlesen...

Sonntag, 28. Juni 2009

Über die Angst vor der Psychiartrie

Eine der schlimmsten Schmähungen die es in meiner Kindheit gab war der Satz: "Du gehörst doch nach Ilten!"
Ilten bei Hannover war das berühmt berüchtigte "Irrenhaus", ein Wort bei dem jeder innerlich erschauerte und zusammenzuckte.
Das "Irrenhaus" war wohl der größte soziale Abstieg, den ein Mensch erleben konnte, schlimmer noch als Gefängnis oder Zuchthaus.
Wenn irgend jemand in Kontakt mit der Psychiartrie kam hieß es bei ansonsten respektabelen und angesehenen Menschen: "Er oder Sie hatte einen Nervenzusammenbruch und musste nach Ilten oder Wunstorf." Der sogenannte "Nervenzusammenbruch" war zwar etwas weniger schlimm, als komplett bekloppt zu sein, aber man redete trotzdem nur sehr leise und hinter vorgehaltener Hand davon.
Schließlich konnte so ein "Nervenzusammenbruch" eventuell noch geheilt werden, wenn auch sehr schwierig.
Das ganze Thema psychische Krankheit war von einem Schleier des Mysteriums umgeben und man gruselte sich einfach nur total davor.
In den letzten Jahrzehnten hat sich einiges in der Wahrnehmung psychischer Krankheit geändert, es gab viel Aufklärung durch die Medien, aber ein Tabuthema ist es trotzdem bei vielen (den Meisten?) Menschen immer noch. Vielen ist es überaus peinlich über seelische Schwierigkeiten und Störungen zu sprechen und vielen ist es peinlich solche Krankheitsgeschichten anzuhören. Es wird sehr schnell rationalisiert, verdrängt oder abgebügelt.

Als ich in den frühen 90er Jahren einmal von meinem Hausarzt auf meine depressiven Verstimmungen angesprochen wurde und eine Psychotherapie empfohlen bekam reagierte ich mit Ablehnung und Entsetzen. Ich bin doch ein Mann des Glaubens, Gemeindegründer, Ältester und Lobpreisleiter! Was will der Mann von mir? Das ist doch ein Angriff des Teufels!
Für mich sorgt der Allerhöchste Herr und der wird auch mit meiner Seele fertig.
Durch den Hausarzt wirkt doch der Teufel, der mich durch diese garantiert okkult verseuchte "Psychotherapie" vom Glauben abbringen und versklaven will.
Ich witterte nichts als weltliche und höchstwahrscheinlich "dämonische" Manipulation hinter Allem, was nach Psychiartrie und Psychotherapie roch.
Schließlich hatte ich meine Mutter nach ihren Suizidversuchen oft in der Psychiartrie besucht und kannte die geschlossene Abteilung aus eigener Begutachtung. Die Erlebnisse mit einigen Psychotikern, die ich ebenfalls in der "Geschlossenen" besucht hatte wirkten ebenso in mir nach.
Wie soll man an einem solchen Ort gesund werden? Das ist doch ein Tummelplatz für Dämonen und durchgeknallte Psychiater, die selber Hilfe bräuchten, waren meine Gedanken.
Ein sehr verzerrtes Bild von der Realität, daß von irrationalen Ängsten und Vorurteilen geprägt war, wie ich später feststellte.

Als eins meiner Kinder einen ernstgemeinten Selbstmordversuch machte, gab es danach keinen anderen Weg der Hilfe mehr als die Kinder- und Jugendpsychiartrie im Kinderkrankenhaus. Wir waren mit den psychischen Problemen unseres Kindes hoffnunglos überfordert und es bestand weiterhin akute Suizidgefahr.
Also kam mein Kind in die geschlossene Abteilung und wir hatten regelmäßig Gesprächtherapie zusammen. Die Eltern wurden (zwangsläufig) in die Therapie mit einbezogen.
Obwohl wir uns von der Einrichtung teilweise verschaukelt fühlten, da sie uns nicht die Wahrheit über den geschlossenen Charakter der Therapie gesagt hatten, verlor ich zumindest die starken Berührungsängste mit der Psychartrie und bemerkte, daß auch dort nur mit Wasser gekocht wird - bzw. das eben ganz normale Menschen sich dort mit psychischen Störungen beschäftigen.
Niemand wollte uns vom Glauben an Gott abbringen oder in die befürchteten esoterischen Praktiken hineinzwingen. (Das waren meine persönlichen Hauptängste)
Wie überall in Krankenhäusern gibt es bessere und schlechtere Ärzte und Therapeuten, aber die irrationalen Feindbilder und Ängste erwiesen sich als Fata Morgana. Und das war sehr gut so, denn ich brauchte eigentlich schon lange selber Hilfe für meine Depressionskrankheit, die ich ständig verleugnet hatte.
Im christlichen Bereich hatte mir bisher niemand durch Seelsorge oder Gebete und Prophetien helfen können. Auch mein eigener Glaube nicht.
So holte ich mir eines Tages einen Termin beim Neurologen und Psychiater, der sich als ausgesprochen nett und hilfreich erwies.
Ich erhielt einige Jahre Medikamente gegen meine Depressionen, die auch recht gut wirkten und keine spürbaren Nebenwirkungen hatten. Auf mein Nachfragen nach Gesprächstherapie erhielt ich eine Liste der niedergelassenen Psychotherapeuten und machte einige Jahre später auch eine Psychotherapie, Dir mir wirklich weiterhalf.
Ärzte und Psychotherapeuten sind keine Wunderheiler auf die man seine ganze Hoffnung setzen sollte. Sie können Deine Probleme nicht für Dich lösen und Dir die eigene Verantwortung für Deine Störungen nicht abnehmen.
Aber sie können Wegbegleiter für Dich sein und Dich auf die richtige Fährte setzen - damit Du Deine selbstgesteckten Ziele der Heilung und Gesundheit erreichst. Ohne eigene Mitarbeit läuft überhaupt nichts in solch einer Therapie und man sollte sein Leben sowieso grundsätzlich dem großen himmlischen Arzt anvertrauen und nicht die eigene Verantwortung bei Ärzten abgeben.
Wir als Christen glauben ja, daß Jesus, der Heiler in uns wohnt und lebt. Und diesem inneren Heiler sollten wir zuhören und seine Ratschläge umsetzen.
Aber eben nicht nur passiv erwarten, daß er die ganze Arbeit macht, sondern in seinem Namen aufstehen, sein Bett aufnehmen und anfangen zu gehen. Und dabei kann man sich auch von Profis helfen lassen ohne sich zu schämen.

Ps. Meiner Tochter geht es heute gut.

> Lesen Sie auch:
>Keine Angst vor der Psychiartrie
>Das Eismeer in mir

Dienstag, 23. Juni 2009

Johanniskraut - gefährliche Wechselwirkungen

Johanniskraut hilft bei leichten bis mittelschweren Depressionen. Das ist erwiesen und wissenschaftlich dokumentiert.
Bei mir war es die "Einstiegsdroge" Jahre bevor ich mich in fachärztliche Behandlung begab.
Die Stimmung hellt sich auf und man kann besser schlafen. Die Wirkung setzt allerdings erst nach ca 14 Tage kontinuierlicher Einnahme ein, da sich erst ein wirksamer Spiegel der Droge im Körper aufbauen muß. Ich begann mit dem freiverkäuflichen Tee und machte schon bald darauf Bekanntschaft mit der einzigen Beschriebenen Nebenwirkung des Beipackzettels, der Lichtempfindlichkeit. (Neben der sehr angenehmen Stimmungsaufhellung)
Im Sommer gehe ich gern öfter ins Freibad oder an einen See zum Schwimmen und Sonnenbaden.
Eines Tages bemerkte ich hinter meiner Sonnenbrille um die Augenpartien ein heftiges brennen.
Es war kein Sonnenbrand, sondern eine entzündliche Reaktion der Haut durch das Johanniskraut. Ziemlich unangenehm das.
Ich trank den Tee nicht mehr und stieg in den folgenden Jahren auf die Pillen um. Beim Sonnenbaden war ich nun vorsichtiger und erlebte auch nie wieder solch eine heftige Hautreaktion.
Irgendwann viel später verschrieb der Arzt mir Cipramil und später Fluoxetin, zwei sogenannte SSRI, das sind Antidepressiva neueren Typs, die sehr gut wirken (Serotoninwiederaufnahmehemmer), nicht körperlich abhängig machen und gut verträglich sind.
In den Phasen, wo es mir seelisch gut ging, reduzierte ich oft diese Medikamente und setzte sie manchmal sogar ganz ab, was sich meistens schwer rächte, da ich dadurch wieder in schlimme depressive Phasen abglitt.
Es dauert meistens auch sehr lange, bis man trotz Medikamenten aus dem depressiven Tal wieder auftaucht. Bei mir manchmal ein halbes Jahr und länger.
So nahm ich ab und zu Johanniskraut zusätzlich, was den Prozess des "Wiederauftauchens" aus dem Tal erheblich beschleunigte.
In diesem Winter 2008/2009 war das wieder einmal der Fall und ich konnte meine Winterdepressionen erheblich abkürzen. Allerdings hatte ich im Frühjahr plötzlich sehr schlechte und beunruhigende Leberwerte. Ein Leberbiopsie stand schon im Raum und mein Doktor schaute mich besorgt an. Ich machte eine Diät und verzichtete komplett auf Alkohol.
Die Leberwerte wurden kaum besser.
Ich muss aufgrund anderer internistischer Erkrankungen noch eine Reihe von anderen Medikamenten einnehmen.
Auf dem Beipackzettel meines Fluoxetin las ich eine Gegenanzeige für das Johanniskraut und forschte darüber im Internet nach.
Und siehe da: Johanniskraut kann den Abbau anderer Medikamente in der Leber beeinflussen und dadurch Leberschäden verursachen.
Sofort setzte ich das Johanniskraut ab und ging sechs Wochen später noch einmal zur Blutentnahme. Und siehe da - die Leberwerte sind wieder in Ordnung.

Selbstmedikation ist oft nicht zu empfehlen und auch "natürliche" Arzneimittel sind Drogen, die oft ungeahnte Nebenwirkungen haben können. Die Gleichung: Pflanzlich=Gesund und Chemie=Ungesund ist leider völlig falsch. Auch Pflanzen beinhalten Chemie. Die Gleichung Pflanzlich=Unwirksam und Chemie=Wirksam ist ebenso verkehrt.
Entscheidend ist der fachmännische Gebrauch, die Vorsicht bei den Kombinationen von Medikamenten (Wechselwirkungen) und die richtige Dosierung.
Johanniskraut ist nicht umsonst mittlerweile verschreibungspflichtig geworden. Allerdings gibt es in der Drogerie immer noch Johanniskrautpäparate (als Nahrungsergänzungsmittel?) zu kaufen. Und dort steht auf dem Beipackzettel überhaupt nichts von Wechselwirkungen und Gegenanzeigen.
Also bitte auch alle freiverkäuflichen und pflanzlichen Medikamente mit dem Arzt oder der Apotheke besprechen, denn es gibt auch noch andere Wirkstoffe außer dem Johanniskraut, die erhebliche Schäden verursachen können.

Ende der Schonzeit für pflanzliche Arzneimittel...

Samstag, 6. Juni 2009

Frömmigkeit und seelische Erkrankungen

Bei Idea Online kann man sich Dokumentationen zum Thema Frömmigkeit und seelische Erkrankungen für wenig Geld bestellen. Dort werden psychische Krankheiten von einem christlichen Standpunkt aus von Fachleuten betrachtet. Es sind allerdings nur zusammengeheftete Din A4 Seiten.
Es geht um Themen wie Depression und Seelsorge und die krankmachenden Aspekte des Glaubens. Ich habe gerade 4 Hefte zu den Themen erhalten und werde gelegentlich eine Rezension dazu schreiben.

Freitag, 5. Juni 2009

Sexueller Missbrauch durch die Mutter

Die sexuellen Übergriffe geschahen schon im vorpubertierenden Alter. Wie jedes Kind schlief ich gern bei meinen Eltern im großen Ehebett. Mein Kinderbett war im selben Schlafzimmer und so konnten meine Eltern den (meist ungebetenen) Übernachtungssgast schnell ins eigene Bettchen abschieben. Ich liebte es frühmorgens beim Aufwachen mit meinem Papa zu kuscheln und zwang ihn durch Bettelei mir eine Geschichte zu erzählen. Ich glaube es gab davon nur zwei bis drei und wenn mein Vater keine Lust hatte, erzählte er einfach die allerkürzeste, die wohl auch ausschließlich zu solch einem Zweck erdacht worden war.
Wenn ich zu nervig war rieb und schupperte mein Vater einfach mit seinem unrasieren Stoppelbart an meinem weichen Kindergesicht, was mich zu schneller Flucht veranlasste.
Mein Vater war Lokomotivführer und hatte oft Nachtschicht. Manchmal war er tagelang unterwegs. Wenn ich nun mit meiner Mutter allein war, durfte ich auch mal die ganze Nacht im großen Bett neben meiner Mutter schlafen. Bei einer dieser Gelegenheiten berührte Sie absichtlich mein Geschlechtsteil und streichelte es zärtlich. Das war mir zu Beginn nicht unangenehm, ich empfand ja auch noch keine sexuelle Stimulierung.
Mit der Zeit wurden diese "Angriffe" auf meinen Penis zu einer Art Spiel zwischen uns. Ich versuchte mich den Annäherungen zu entziehen, aber ihre Hand kroch unter der Bettdecke immer wieder zu diesem sensibelen Punkt.
Irgendwann wurde es mir zu viel - ich verstand nicht recht, was vor sich ging und fand das Spiel öde und Langweilig. Meine Mutter hörte aber nicht damit auf. Es zog sich über Jahre hin und der Schauplatz wechselte während meiner Pubertät vom Bett in den ganz normalen Alltag.
Ich begann ihr auf die Finger zu hauen, wenn sie sich am Tage mit einem albernen Gesicht versuchte, an mein Glied heranzupirschen, aber sie ließ sich nicht davon abschrecken und belästigte mich immer wieder. Irgendwann bekam ich eine Blockflöte geschenkt und hatte in der Schule Blockflötenunterricht. Ab dieser Zeit wurde die Blockflöte zu meiner Waffe. Ich schlug ihr bei ihren Übergriffen damit auf die Hand. Aber sie ließ nicht locker.
Einmal hatte sie richtig große blaue Flecken auf der Hand durch die Schläge meiner Holzflöte.
Danach ließ sie mich für lange Zeit in Ruhe.

Als ich 14 Jahre alt war fuhr ich allein mit Mutter nach Italien in den Urlaub an die Riviera.
Natürlich teilten wir ein Doppelbett. Als sie sich nachts nach langer Zeit wieder einmal an mich heranmachte wurde ich sexuell erregt und schmiegte mich meinerseits an ihren Körper. Mittlerweile war ich "aufgeklärt" und völlig geschlechtreif geworden. Ich hätte mit meiner Mutter zu diesem Zeitpunkt Geschlechtsverkehr gehabt, wenn sie sich nicht erschrocken und spontan zurückgezogen hätte.
Glücklicher Weise kam es nicht dazu und ich hatte seitdem endgültig Ruhe vor ihren für mich ekeligen Annäherungen.

Allerdings hatte ich dann in meiner Jugend erhebliche Probleme damit, normale und gesunde Beziehungen zu gleichaltrigen Mädchen einzugehen. In wieweit meine ungesunde Mutterbeziehung damit zu tun hatte, kann ich nicht ermessen - ich bin kein Psychologe oder Psychiater. Jedenfalls hatte ich eine gestörte Beziehung zu anderen Geschlecht, daß von übermäßigen irrealen Ängsten geprägt war. Nie hätte ich es gewagt einem Mädchen meine Zuneigung einzugestehen, selbst wenn sie mir klar machten, daß sie auf mich standen.
Als mich meine erste Freundin fragte, ob ich mit ihr "gehen" wolle, brach ich innerlich in völlige Panik aus und wurde starr vor Angst. Ich bat mir erst einmal Bedenkzeit aus, denn ich wollte schon lange gern eine Freundin haben, hatte mich aber niemals getraut bei einem Mädchen irgendwelche Annäherungsversuche zu machen.
Als ich dann zugesagt hatte, verhielt ich mich zu Beginn stocksteif, wenn sie mich ganz normal umfasste und küsste. Ich hatte einfach totale Panik, mich blöde zu benehmen oder zu meinen Gefühlen zu stehen. Das legte sich erst nach einer geraumen Zeit.

Ich weiß von zumindest zwei meiner engsten Freunde während der Kindheit, daß sie ähnliche Erfahrungen mit ihren Müttern gemacht haben. Einer wohnte im gleichen Haus.
Wie weit deren inzestuösen Beziehungen gingen, weiß ich nicht. Es war und ist ein Tabuthema, über daß wir nur extrem selten und auch nicht offen redeten.
Mütter waren und sind ja damals wie heute irgendwie unantastbar und haben einen eingebauten, unsichtbaren Heiligenschein. Niemand traut Frauen sexuelle Übergriffe zu.
Sexuelle Übergriffe sind in den Augen der Öffentlichkeit eine absolut männliche Domäne und werden seit der Frauenbewegung der 68er ja auch sehr gerne in den Medien thematisiert. Frauenhäuser entstanden und Männer wurden als schwanzgesteuerte stets gewaltbereite Unterdrücker der Frau stigmatisiert.
Untersuchungen über häusliche Gewalt, die Frauen als Täterinnen belegen, werden von der Öffentlickeit überhaupt nicht wahrgenommen, weil sie weder von der Politik noch von den Medien aufgegriffen werden. Passt halt nicht ins Konzept, dieses Tabuthema.
Ich würde sehr gern wissen, wie viele Jungs in ihrer Kindheit noch von Müttern und anderen Frauen sexuell belästigt und traumatisiert wurden. Wenn in meiner unmittelbaren Nachbarschaft schon zwei Fälle außer mir bekannt sind, lässt das für mich auf eine hohe Wahrscheinlichkeit schließen, daß es sehr viele unerkannte oder totgeschwiegene Fälle davon gibt.
Vielleicht hat ja die männliche Gewalt gegen Frauen und andere psychische Störungen von Männer auch dort manchmal seine Ursachen.

>Lesen sie auch: die Missbrauchsgeschichte von UTU. (vorsicht, sehr heftig)
> Häusliche Gewalt ist weiblich.

Mittwoch, 3. Juni 2009

Psychose durch Cannabiskonsum

In der letzten Zeit wird in den Medien wieder vermehrt von einem Risiko berichtet, das Cannabiskonsum mit sich bringen kann. Im Sommer diesen Jahres wurde ein Studie veröffentlicht, in der von Cannabis-induzierten Psychosen die Rede ist. Der Studie zufolge soll jeder zehnte Cannabiskonsument Probleme dieser Art bekommen können. Dass Kiffen nicht jedermanns Sache ist, weiß man schon länger, auch dass es latent vorhandene Psychosen auslösen kann. Angesichts des Kultstatus, den das Kiffen gerade bei vielen Jugendlichen hat, werden derartige Gefahren gerne ignoriert. Wie jedoch auch relativ harmloses Cannabis zu einer echten Gefahr werden kann, wollen wir Euch am Beispiel von Sandra zeigen, die derzeit wegen einer Cannabis-induzierten Psychose in Therapie ist.
Zum Artikel: HANFPSYCHOSE, REALE GEFAHR ODER PROHIBITIONSLÜGE ?

Mittwoch, 27. Mai 2009

Alterspsychose

Wilma war die kleine Mutti meiner Frau. Sie war ihr Leben lang ein Arbeitstier gewesen. Die Küche war ihr Domizil.
Dort lagen manchmal tote Fische in der Spüle, die dort "gewässert" wurden. Mich ekelte vor dem dreckigen Fischwasser.
Ihr großes Portemonaie lag in einer Schublade im Küchenschrank und jeder bediente sich dort, wenn er ein paar Mark brauchte.
Die große Liebe ihres Lebens war Otmar, ihr ältester Sohn. Der war Alkoholiker und als solcher oft sehr fies drauf. Grobschlächtig, zynisch und manchmal gewalttätig. Aber meistens bekam er von Anderen selbst aufs Maul, obwohl er sehr groß und stark war.
Ein geborener Looser, der nichts in seinem Leben richtig auf die Reihe bekam.
Aber Mutter beschützte ihn vor allen Unkenrufen der Familie und Umgebung, er war nunmal ihr Erstgeborener Liebling.
Otmar hatte häufig wechselnde, seltsame Frauen, mit denen er zusammen lebte.
Viele waren primitiv, einige raffiniert.
Alice, die von Mutter Wilma "Ali-Ze" gerufen wurde, war von der raffinierten Sorte. Sie verstand es hervorragend, Intrigen zu spinnen und Keile zwischen die einzelnen Familienmitglieder zu treiben.
Bei einigen alkoholseligen Familienkrächen musste die Polizei gerufen werden, weil man sich gegenseitig beschuldigte, Geld oder teure Gegenstände gestohlen oder veruntreut zu haben.
Als meine Frau und ich Christen geworden waren, versuchten wir natürlich das Evangelium in die kaputte Familie hineinzutragen, was aber von dem Umstand erschwert wurde, daß Horst, der ältere Bruder meiner Frau wieder vom Glauben abgefallen war und in eine schlimme Heroinsucht abgeglitten war.
"Siehste, beim Horst hat das mit dem Glauben auch nicht funktioniert". war eine beliebte Ausrede der Familienmitglieder.
Aber ich hatte mittlerweile die Bibelschule besucht und sprühte vor Glauben und Eifer für den Herrn.
Dann glitt Wilma sachte in eine "Alterspsychose" ab. Wir hatten damals überhaupt keine Ahnung womit wir es hier zu tun hatten und versuchten, so gut es ging zu helfen.
Wilma fühlte sich und die Familie von Alice bedroht und verfolgt. Die kleinen Intrigen und Boshaftigkeiten von Alice wurden für sie plötzlich riesengroß.
Sie glaubte, daß Alice uns alle ausrauben wollte und fing an wertvolle Sachen, wie Sparbücher und Ähnliches zu verstecken, damit Alice sie nicht finden konnte.
Wir redeten stets auf die kleine Mutti Wilma ein und versuchten sie in die Realität zurückzuholen, aber Wilmas Feindbild wuchs und wuchs immer mehr.
Bald wurde uns klar, daß Wilmas Zustand krankhaft war, denn sie versuchte sich im 5. Stock aus dem Fenster zu stürzen.
Mit letzter Kraft konnten Vater und Sohn Horst sie noch vom geöffneten Fenster wegzerren.
Meine Frau und ich vergaßen ab jetzt jede Zurückhaltung, mit Mutti über den Glauben zu reden, weil ein Eingreifen Gottes überlebenswichtig geworden war.
Nach dem Selbstmordversuch wurde Wilma von der Familie ins nächste Krankenhaus gebracht, weil sie nicht mehr mit der Situation umgehen konnte. Doch man nahm sie weder stationär auf, (Es gab dort keine Psychiartrie) noch verwies man sie an eine Psychiartrie weiter. Achselzuckend sagte man, daß man in diesem Falle auch nichts machen könne.
Wir beteten wie die Weltmeister für- und auch mit Wilma. Sie sprach uns das Übergabegebet an Jesus nach und wir geboten in Jesu Namen allen Mächten der Finsternis von ihr zu weichen.
Ein paar Minuten schien Wilma ruhig zu werden und redete nicht mehr von ihrem Verfolgungswahn. Doch dann ging es wieder weiter, als ob all die Gebete und der Herrschaftswechsel zu Jesus nicht die geringste Auswirkung gehabt hätten.
Sie hätte dringend in die geschlossene Abteilung gehört, aber da wir schon einmal vom Krankenhaus abgewiesen worden waren, wussten wir nicht wohin mit ihr.
Die Situation eskalierte, als Alice die kleine Wilma bei der Polizei aus unerfindlichen Gründen anzeigte. Sie sollte etwas aus ihrer Wohnung gestohlen haben.
In ihrem Wahn schleppte Wilma die ganze schwere Schallplattensammlung ihres Sohnes Horst zu einer Familie des Mietshauses hoch, um sie vor Alice zu verstecken. Sie rechnete ständig damit, von der Polizei verhaftet zu werden und erzählte uns, daß Alice uns alle ins Unglück stürzen werde.
Kurze Zeit darauf bekamen wir einen Anruf von Gustav, dem Vater meiner Frau, daß Wilma sich einen Kanister Benzin besorgt hatte. Dann hatte sie sich ein Nachthemd aus Nylon angezogen, mit Benzin übergossen und angezündet.
Sie war dem Vorbild von Pfarrer Brüsewitz aus der DDR gefolgt.
In der Notaufnahme wurde Wilma von einem Krankenpfleger in Empfang genommem, der ein Bekannter von uns war. Er war auch Christ und wusste, das Wilma die Mutti meiner Frau war. Er versuchte mit ihr zu reden und betete für sie, denn sie war noch lange bei Bewusstsein.
Das einzig tröstliche, was er uns über die letzten Stunden von Ihr sagen konnte war: Sie hatte bei ihrer Einlieferung die Hände zum Gebet gefaltet und schien zu beten.
Wenig später starb sie an ihren schweren Verbrennungen.
Nach dem Todesfall meines Freundes Manfred ein paar Jahre später fiel mir auf, daß bisher Jeder, der mir das Übergabegebet an Jesus nachgesprochen hatte kurz darauf auf unnatürliche Weise ums Leben gekommen war.
Ich stellte das Missionieren erstmal ein.


Psalm eines Depressiven

Ich bin wütend!
Wütend auf mich und wütend auf Gott.
Wütend auf mich, weil ich mich nicht ändern kann.
Wütend auf Gott, weil er mich nicht heilt und ich weiter an mir leiden muß.

Wozu dieses sinnlose Leid?

Wozu die ständige Hoffnung auf ein Morgen, wenn sich doch nichts ändert?

Ich wünschte ich könnte schlafen - ewig schlafen - doch ich muß noch Meilen gehn, bevor ich ruhen kann.
Gibt es ein Himmelreich? Dann komme bald, Herr Jesus.

Warum diese ständige Verzweiflung? Immer wiederkehrende Belanglosigkeiten.
Gibt es eine zukünftige Hölle, oder bin ich da schon längst?

Ich bin wie Tantalus, der den Stein immerfort bergauf rollt, aber nie die Spitze des Berges erreicht. Und immer wieder entgleitet er und rollt bergab.
Ich kann nicht mehr und mag nicht mehr.
Macht mir keine neue Hoffnung, die doch nur wieder enttäuscht wird.

Die schlimmste Hölle wäre, wenn es zu den Höllenstrafen gehörte, an einen Erlöser zu glauben, der mich aus der Hölle rettet, um mich dann in das ewige Feuer zurückzuwerfen.
Immer und immer wieder.
Hoffnung auf Erlösung - die dann enttäuscht wird zu ständig tiefer gehender Pein im Sumpf des Verderbens.

Das kann kein Gott der Liebe sein, der sich so etwas ersann!
Nein so etwas gibt es nicht.
Das ewig Böse ist undenkbar und unvorstellbar.
Kein Gott der Liebe würde so etwas zulassen. - Wo ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht erlischt.

Freitag, 22. Mai 2009

In Blekendorf war der Teufel los

Evangelist Rudi Tetzlaff nahm uns 1978 mit nach Blekendorf im Kreis Ostholstein. Einige junge Erwachsene aus der Gemeinde "Jesus Treff" in Hannover wollten in diesem Gebiet missionieren gehen - von Haus zu Haus, am Strand und in der evangelischen Kirche, wo wir Gottesdienste mitgestalteten. Träger dieser evangelistischen Abenteuerreise war die AJH.
Es ging nicht darum, Menschen für eine bestimmte Frei/Kirche anzuwerben, sondern sie mit dem Glauben an Jesus Christus und die Bibel bekannt zu machen. Ein guter Ansatz - wir kamen mit vielen Menschen an der Haustür ins Gespräch. Und Rudi war anscheinend schwer in Ordnung.
Unsere Missionsbasis, in der wir wohnten hatte es allerdings in sich: Das Seelsorgehaus der "Central Mission" in Blekendorf. Autoritärer Leiter dieses Missionswerks war Gottfried Eisenhut, ein kauziger Typ, der von sich selbst sagte:
Ich bin es gewohnt zu befehlen! Als ich diese Worte hörte, wollte ich eigentlich wieder nach Hause fahren, rang mich aber zum Bleiben durch.
Das große Thema in den täglichen Andachten und Gesprächen mit den Mitarbeitern war der Teufel und die Dämonen. In diesem Haus gab es Dauergäste, welche zur Seelsorge-Kur kamen. Diese "Seelsorge" bestand offenbar hauptsächlich aus der Austreibung von Dämonen, die in buchstäblich jedem Menschen vermutet wurden. Zitat von einem Mitarbeiter und Seelsorgehelfer:
"Ich glaube ich bin selbst noch nicht völlig frei. Bei mir sitzt immer noch einer drin!"
Für den Exorzismus gab es eine kleine Dachkammer in einem Häuschen, in dem wir unsere strategischen Treffen abhielten und zusammen beteten.
Über unseren Köpfen hörten wir schön laut, wie Menschen mit Donnerstimme befahlen: Satan ich befehle Dir, diesen Menschen jetzt zu verlassen! In den Abgrund mit dir, in den
AAAAAbgruund! Diese Exorzismen konnten sich über Stunden hinziehen und erinnerten mich irgendwie an die Stimmung aus dem Film Rosemaries Baby. Es war ziemlich gruselig und nicht im Kino, sondern hautnah.
Die "Seelsorgeopfer" wirkten in keinster Weise irgendwie befreit. Einige waren offensichtlich schwerstens psychisch krank und liefen in Haus und Garten umher wie Zombies. Fast jeder in der Mitgereisten Gruppe fing sich nach einiger Zeit an zu fragen, ob womöglich "auch noch einer" (gemeint war ein Dämon) in mir drinsteckt. Die Athmosphäre in dem Haus war für viele außerordentlich bedrückend. Wir fixierten uns nicht mehr auf Gott und die erlösende Botschaft von Jesus, sondern dachten fast nur noch an Dämonen und Mächte der Finsternis. Beim gemeinsamen Essen spürte ich regelmässig einen extremen Druck und Schmerz im Magen und hatte Angst, daß es ein Dämon sein könnte. Das Angebot für eine Teufelsaustreibung stand regelmäßig im Raum und Rudi meinte, das könne doch keinem Schaden. Ich und andere waren da ganz anderer Meinung, wenn wir die "Therapierten" anschauten. Wir begannen, uns vor der Dachkammer zu fürchten und beschlossen, daß uns da keine zehn Pferde hineinbrächten.
Weil der psychische Druck in dieser Situation immer stärker wurde, riefen wir schließlich bei Achim Schneider, unserem Gemeindeleiter in Hannover an und schilderten ihm die Lage. Er riet uns sofort nach Hause zu fahren, was Susi wörtlich nahm und zu ihrer Famile nach Bremen fuhr. Sie war von uns allem am meisten durcheinander und völlig von der Rolle. Als ehemaliger Junkie war der altbekannte Weg zur Drogenscene nicht weit. Sie baute einen schweren Rückfall zum Heroin, kam aber später gottseidank wieder davon los.
Wir anderen hielten zwar bis zum Schluß durch, kamen aber seelisch ziemlich abgewrackt wieder nach Hause. Meine Magenschmerzen hielten an und wurden schlimmer. Der Internist, den ich aufsuchte, stellte ein Magengeschwür fest und schrieb mich erstmal für 7 Wochen krank.
Es dauerte Monate, bis ich mich vom Trauma Blekendorf erholte. Und Rudi mochte mich seitdem nicht mehr.
Als Spätfolge des ganzen Dramas nahm ich ab diesem Zeitpunkt immer mehr zu, weil mir der Arzt geraten hatte fünf (kleine) Mahlzeiten am Tag zu essen. So gewöhnte ich mir an ständig kleine Häppchen zwischendurch zu essen um den Magen zu schonen. Von dieser Gewohnheit kam ich bis heute nie mehr los und es schädigte meine Gesundheit auf Dauer in schwerer Weise.
Im Moment mache ich wieder mal einen neuen Versuch, meine Essgewohnheiten zu verändern und habe mit Erfolg ein paar Kilo abgehungert.
Falscher Glaube kann krankmachen.
Also Hände weg von selbsternannten Seelsorgern und Laien ohne gute Ausbildung im Bereich Seelsorge und Psychotherapie! Was ich damals 1978 in Blekendorf erlebte würde ich heute als christlich getarnte Form des Satanismus und hochgefährlichen Psychoschwachsinn bezeichnen.