Sonntag, 12. Juni 2011

Selbstvorwürfe

Ich habe festgestellt daß bei vielen Depressiven die Krankheit mit Selbstvorwürfen einhergeht. Ich kenne das schon seit meiner depressiven Jugend.
Man hat schon die Schwierigkeit der übergroßen Traurigkeit und zerfleischt sich obendrein noch mit übermäßiger Selbstkritik!
Jeder kleine Fehler wird analysiert, jede kleine Schwäche abgrundtief verurteilt: "Du bist nichts wert, Du kannst nichts. Wenn Du Dir mehr Mühe geben würdest hättest Du schon aus dem Loch heraus kommen können."
Komischerweise haben in den letzten Wochen diese Selbstvorwürfe bei mir abgenommen - obwohl ich nichts dagegen unternommen habe.
Man kann ja mit seinem Verstand dagegenhalten und sich selbst einreden: Doch, JEDER Mensch ist etwas wert - also auch ich selbst etc. aber eigentlich sind diese Gedanken der Selbstzerfleischung mit der Ratio kaum oder nur sehr schwer zu kontrollieren...
ich glaube das gehört zur Krankheit.

Bei anderen Depressiven sind aber auch "die Anderen" an allem Schuld und nicht man selbst. Das war so bei meinem depressiven Bruder. Der litt noch Jahre lang am Mobbing seines Chefs und den Umständen bei der Arbeit - obwohl er schon lange wegen der Depression in Rente war. Er konnte und konnte nicht vergeben und quälte sich bis zu seinem frühen Tod mit diesen Gedanken.
Aber an irgend einem Subjekt muß man seine negativen Gefühle wohl auslassen.
Irgend jemand muß Schuld haben.
Und meistens sind die Dinge, die man da ständig kritisiert sowieso nicht mehr zu ändern.

Eigentlich bringt diese Form von Kritik oder insbesondere SELBSTKRITIK überhaupt nichts. Es ist nicht konstruktiv und verbessert die Situation nicht im Geringsten. Im Gegenteil!
Es geht einem nur noch schlechter dadurch - weil man immer der Depp ist, der sich nicht ändern kann, oder die Hässliche, oder die fette Sau, die nicht abnehmen kann oder, oder, oder...
Kennt ihr so was auch, oder ist das nur meine Theorie, daß Depressive sich das Leben mit Selbstvorwürfen noch schwerer machen als es sein müsste? Das man so hart und ungnädig mit sich selbst ist bis es weh tut?
Ich wünsche Euch jedenfalls von Herzen, daß ihr gnädig mit Euch selbst umgeht
Ralle

Freitag, 26. November 2010

Der Stand der Dinge

Eigentlich wollte ich in diesem Blog nicht ausschließlich meine persönliche Geschichte verarbeiten und verbreiten, sondern mehr Tipps und Hinweise auf Hilfsmöglichkeiten geben und neben der subjektiven Ebene auch die wissenschaftliche, medizinische und seelsorgerliche Ebene darstellen um so weit wie möglich Objektivität herzustellen.
Ich denke das ist mir auch bisher halbwegs gelungen. Da meine persönlichen Erfahrungen  mit psychischer Krankheit in meinem Umfeld und durch meine eigene Depressionsgeschichte aber auch für Manchen hilfreich sein könnten, will ich Euch aber nun auch über den Stand der Dinge bei mir persönlich berichten.
Sonst hatte ich meine Antidepressiva ja immer dann versucht abzusetzen, wenn es mir über einen längeren Zeitraum gut ging und ich mich seelisch stabil oder sogar durch Gott geheilt fühlte...Seit einiger Zeit nehme ich aus einem anderen Grund keine Antidepressiva mehr. Und das kam so:
Nach meinem Absturz in eine scheinbar endlose Depressionsspirale, welche mich immer tiefer abwärts riss, erlebte ich teilweise Seelenzustände, die ich noch gar nicht kannte: Panikattacken und Angstzustände die mich zutiefst verunsicherten und mir das Leben in diesem Jahr manchmal wie eine private Hölle erschienen ließen. Wohlgemerkt, es geht nur um mein Innenleben und keinesfalls um die äußeren Umstände, die für mich eher sehr erfreulich sind.
Manchmal hatte ich Angst ans Telefon zu gehen, weil es mir einfach zu schwer war meinen Freunden ständig erklären zu müssen, warum ich nicht an bestimmten Veranstaltungen oder Treffen teilnehmen konnte. Immer wieder dieses Unverständnis und mühsame Erklärungsversuche.

Keine Kraft und Bock auf GAR NICHTS! 

Keine Kraft zu erklären warum und wieso. Keine Freude und Kraft für die Dinge, die mir sonst so viel Spaß machen: Bloggen, Gitarre spielen und singen und sogar meine Leidenschaft, das Kochen.
Keine Kraft die Zähne zu putzen und mich zu rasieren oder zu duschen. Alle diese Kleinigkeiten nur vor mir herschieben wie einen riesen Berg. Bis nachmittags um 14:00 Uhr im Schlafanzug herumgammeln und nichts tun außer Zeitung lesen und am PC sitzen, spielen und surfen.
Nur in der Bude hocken auch wenn die Sonne scheint. Noch nicht mal über die Strasse zum Supermarkt um eine Kleinigkeit einzukaufen. Immer der Gedanke: Das kannst Du ja auch noch morgen erledigen.

Und dann sich für all das auch noch obendrein schuldig fühlen.

Sein Gesicht im Spiegel betrachten und sich selbst einfach nur scheiße zu finden. Sich selber mit anhaltenden Vorwürfen fertig machen. Obwohl man im Kopf weiß daß das Schwachsinn ist! Das ich einfach krank bin und nichts dafür kann. Aber der innere Kritiker gibt einfach keine Ruhe! Er läuft automatisch und kommentiert alles was ich tue und ich kann es nicht abstellen.
Und selbst dafür fühle ich mich schuldig. "Du könntest ja einfach den Dämonen der Depression gebieten dich zu verlassen"! Aber ich kann das nicht. Sind das überhaupt Dämonen? Ich habe keine Ahnung.

Ich nahm die doppelte Dosis

Mit Einverständnis meines Psychiaters nahm ich nun die doppelte Dosis Fluoxetin, meines Antidepressivums.
40mg statt 20mg. Irgendwann muss das doch einmal helfen. Aber Pustekuchen. Die Wochen und Monate verstrichen und NICHTS wurde besser. Eher schlechter, als es mir jemals ging.
Manchmal fühlte ich mich wie auf Drogen. Ich hatte seltsame und abwegige Gedankengänge. Ich wünschte manchmal ich wäre bald endlich tot.
Dann ging ich wieder zum Psychiater um ihm mitzuteilen, daß das Medikament nicht mehr half. Er riet mir sofort zum Medikamentenwechsel und schrieb mir Venlafaxin auf welches nicht nur auf den Serotoninspiegel wirkt, sondern auch auf das Noradrenalin. Noradrenalin soll für den Flucht- oder Kampfreflex zuständig sein und antriebssteigernd wirken.
Ich sollte das Fluoxetin halbieren und gleichzeitig mit einer geringen Dosis des neuen Antidepressivums beginnen und war gespannt ob der neue Antrieb kommen würde. Morgens nahm ich das neue Medikament, daß der Arzt mir mitgegeben hatte.
Gegen Mittag fühlte ich mich ziemlich aufgedreht und auf dem Weg zur Apotheke hatte ich den Eindruck beinahe so wie auf einem LSD-Trip zu sein. Die Menschen an denen ich vorbei ging wirkten wie große Plastikpuppen auf mich, denen das Leben fehlte. Ich hatte Angst, daß sich dieses "Drogengefühl" noch steigern könnte, aber es ließ sich aushalten.
Allerdings war ich nachts so putzmunter und überdreht daß ich wirklich buchstäblich nicht eine Minute schlafen konnte und morgens fühlte ich mich wie durch die Mangel gedreht und stand schon um 6 Uhr auf. Um 8 noch mal ein Schlafversuch und ich dämmerte bis 10 so halb dahin. Dann hatte ich einen Termin zum Schwimmen mit einem Freund und wir fuhren gemeinsam ins Schwimmbad.

Ein anderer depressionskranker Christ aus Österreich betet am Telefon für mich.

So gegen 14:00 Uhr bekam ich einen Anruf aus Wien von meinem Freund Olli, welcher selbst sehr große Probleme mit Depressionen, Schlaflosigkeit und Angstzuständen hat. Auch sein Glaube an Jesus ist oft mehr als wackelig. Er behauptet seit den 15 Jahren seines Christseins niemals die Liebe Gottes an sich persönlich gespürt zu haben. Gott hätte auch nie eins seiner Gebete tatsächlich erhört. Er hadert oft mit Gott, was ich bei seiner Geschichte gut verstehen kann.
Aber nun erwischt er mich am Telefon, bevor ich mich nach dem Mittagessen wieder ins Bett knallen will und er hat auf dem Herzen für mich zu beten.
Er legt los wie ein Vollcharismatiker und befiehlt sämtlichen Dämonen der Depression mich zu verlassen und ihre Drecksfinger von mir zu nehmen. Ich denke bei mir: "Ja Olli mach mal ruhig, schaden kanns mir wohl auch nicht mehr". Ich habe dabei nicht den geringsten Glauben, daß sein Gebet auch nur einen kleinen Grashalm bewegen könnte.
Danach danke ich ihm für die Freundlichkeit und Zuwendung und gehe Schlafen, was auch gottseidank klappt.

Nach dem Gebet geht es mir gut.

Nach dem Aufstehen so um 19:00 Uhr checke ich meinen Seelenzustand und bemerke: Eigentlich gehts Dir ganz gut. Du leidest im Moment gar nicht mehr.
Am nächsten Morgen nehme ich nur meine reduzierte Dosis von 20mg Fluoxetin und lasse das neue Medikament weg. "Ist ja wohl ein Teufelszeug", geht es mir durch den Sinn. Nach einer Internetrecherche und Studium des Beipackzettels finde ich heraus, daß man es gar nicht mit Fluoxetin kombinieren sollte und das auch mein Bluthochdruck eine Gegenanzeige ist. Dabei hatte ich meinem Psychiater klipp und klar gesagt daß ich viele Medis gegen hohen Blutdruck nehmen muss. 
Die ganze nächste Woche geht es mir mit der reduzierten Dosis Fluoxetin prima. Keine Traurigkeit. Der ganze Leidesdruck ist wie weggepustet.
Irgendwann beschließe ich mein Medikament nun vollkommen auszuschleichen. Denn schlimmer als mit den 40mg, welche ich fast ein halbes Jahr nahm kann es mir ganz ohne eigentlich auch kaum mehr gehen denke ich mir.
Seit einiger Zeit bin ich nun ganz auf Null und leide immer noch nicht permanent, wie in den gesamten letzten Monaten. Ob das Gebet des kranken Olli doch geholfen hat? Ganz ohne Zutun eines Fünkchens Hoffnung oder Glaube meinerseits?
Nach dem totalen Absetzen war ich einen Tag lang übersensibel und habe bei jedem Scheiß geheult. Bei Musikstücken oder Filmausschnitten. Oder bei Gedanken voller Selbstmitleid. Danach gings mir wieder normal. Dann konnte ich ein paar Nächte nicht schlafen, vielleicht auch weil ich so stark erkältet war und meine Frau die halbe Nacht gehustet hat. Das wars an Folgen des Absetzens bisher. Etwa 1 schlechter Tag und 3 schlaflose Nächte.

Ich hatte die Faxen mit den Medikamenten einfach total dicke!

Ich hatte keinen Bock mehr auf irgendwelche Psychopillen und hörte damit auf, so wie ich damals vor langer Zeit mit dem Rauchen aufgehört hatte, weil ich mich nur noch davor ekelte. Ganz ohne Therapie oder Gebet damals.
Und ich denke mir im Moment: Lieber eine ehrliche Depression schieben die mir selbst und meiner Seele geschuldet ist, als diese Chemie nochmals anzufassen. Und ich will neu auf Gott und seine Hilfe vetrauen.
Mich in seine Arme fallen lassen. Mit oder ohne Depression!
Und obwohl ich keinesfalls behaupte vollkommen geheilt zu sein - das wäre unrealistisch, denke ich geht es mir zur Zeit wesentlich besser als mit dem Antidepressivum.
Und für neuen Antrieb hat der Olli auch schon gebetet.... :-) Vielleicht kommt der ja auch bald wieder. Zumindest leide ich momentan seit Wochen nicht mehr. Und auch der Olli hat mal ein Erfolgserlebnis mit Gebet!

Montag, 27. September 2010

Die Depressionen der Freunde Gottes

In den letzten Wochen habe ich wegen der Texte dieses Blogs über meine eigenen Depressionen mit drei lieben Glaubensgeschwistern telefoniert, die mich anriefen, weil sie als Christen gerade jetzt in tiefen Depressionen stecken. Ein Telefonat steht noch aus. Wenn man im Internet das Thema "Christ und Depression" googelt findet man nicht sehr viel. Mit einer Reihe anderer depressiver Christen stehe oder stand ich im email-Kontakt. Im Depressionsforum treiben sich auch viele Christen herum und schreiben über ihre Krankheit - wenn sie denn könnnen und Kraft dazu haben.
In den Gemeinden scheint es nicht viel Hilfe für "unsere Art" von Nachfolgern des Herrn Jesus zu geben. Die Not ist groß und ich glaube man steht eher hilflos der Krankheit gegenüber und kommt vielfach über ein aufmunterndes "Kopf hoch - es wird schon wieder" nicht hinaus. Fachmännische/frauliche Seelsorge? Mangelware!
Und wenn man dann noch das Gefühl hat von Gott verlassen und gestraft zu sein? Das kommt in besten Glaubenskreisen vor. Auch Selbstmordgedanken. Vielleicht hilft so Einigen der Gedanke: Du bist nicht allein mit Deinem Leid. Du bist nicht der Einzige, dem es so ergeht.
Hier eine Auswahl der "Freunde Gottes" aus unserem geliebten Buch, welche unser Schicksal manchmal teilten.

Von David
Ps 69,2    O Gott, hilf mir; denn das Wasser geht mir bis an die Seele! Ich versinke in tiefem Schlamm und habe keinen Stand, ich bin in tiefes Wasser geraten, und die Flut will mich überströmen; ich bin müde von meinem Schreien, meine Kehle ist vertrocknet, ich habe mir die Augen ausgeweint im Harren auf meinen Gott.

Von Jeremia
Kla 3,1    Ich bin der Mann, der tief gebeugt worden ist durch die Rute seines Zorns. Mich hat er verjagt und in die Finsternis geführt und nicht ans Licht. Nur gegen mich kehrt er immer wieder den ganzen Tag seine Hand. Er hat mein Fleisch und meine Haut verschlungen und meine Knochen zermalmt. Er hat rings um mich her Gift und Drangsal aufgebaut. In dunkeln Höhlen läßt er mich wohnen wie längst Verstorbene. Er hat mich eingemauert, daß ich nicht herauskommen kann; mit ehernen Ketten hat er mich beschwert. Ob ich auch schreie und rufe, verstopft er doch die Ohren vor meinem Gebet. Quadersteine legt er mir in den Weg, krümmt meine Pfade. Er lauert mir auf wie ein Bär, wie ein Löwe im Dickicht. Er hat mich auf Abwege gebracht, ist über mich hergefallen und hat mich arg zugerichtet. Er hat seinen Bogen gespannt und mich dem Pfeile zum Ziel gesetzt. Er hat mir seines Köchers Söhne in die Nieren gejagt. Ich bin allem Volk zum Gelächter geworden, ihr Liedlein den ganzen Tag. Er hat mich mit Bitterkeit gesättigt, mit Wermut getränkt. Er ließ meine Zähne sich an Kies zerbeißen, er hat mich mit Asche bedeckt. Und du hast meine Seele aus dem Frieden verstoßen, daß ich des Glückes vergaß. Und ich sprach: Meine Lebenskraft ist dahin, meine Hoffnung auf den HERRN. Sei eingedenk meines Elends, meiner Verfolgung, des Wermuts und des Gifts! Beständig denkt meine Seele daran und ist tief gebeugt! Dieses aber will ich meinem Herzen vorhalten, darum will ich Hoffnung fassen: Gnadenbeweise des HERRN sind's, daß wir nicht gänzlich aufgerieben wurden, denn seine Barmherzigkeit ist nicht zu Ende; sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß!

Eine Unterweisung Hemans, des Esrachiten.
Ps 88,2    o HERR, Gott meines Heils, ich schreie Tag und Nacht vor dir! Laß mein Gebet vor dich kommen, neige dein Ohr zu meinem Flehen; denn meine Seele ist der Leiden satt, und mein Lebenslauf neigt sich dem Totenreiche zu. Ich werde schon zu denen gerechnet, die ins Grab sinken, bin geworden wie ein kraftloser Mann.  Ich liege unter den Toten, bin den Erschlagenen gleich, die im Grabe ruhen, deren du nicht mehr gedenkst und die von deiner Hand abgeschnitten sind. Du hast mich in die unterste Grube gelegt, in die Finsternis, in die Tiefe.  Auf mir lastet dein Grimm, und du bedrängst mich mit allen deinen Wogen. - (Pause.) Du hast alle meine Bekannten von mir entfernt, hast mich ihnen zum Abscheu gemacht; ich bin eingeschlossen und kann nicht heraus. Mein Auge ist verschmachtet vor Elend; ich habe dich, HERR, täglich angerufen, meine Hände nach dir ausgestreckt. Wirst du an den Toten Wunder tun, oder werden die Schatten auferstehen und dich preisen? - (Pause.) Wird man im Grabe deine Gnade verkündigen, deine Wahrheit im Abgrund? Werden deine Wunder in der Finsternis bekanntgemacht, deine Gerechtigkeit im Lande der Vergessenheit?  Und doch habe ich zu dir, HERR, geschrieen, und am Morgen kommt dir mein Gebet entgegen. Warum, HERR, verwirfst du denn meine Seele und verbirgst dein Angesicht vor mir? Von Jugend auf bin ich elend und siech, trage deine Schrecken und weiß mir keinen Rat. Deine Zorngerichte sind über mich ergangen, deine Schrecknisse haben mich gänzlich vernichtet. Sie umgaben mich wie Wasser den ganzen Tag, sie umringten mich allzumal. Du hast Freunde und Gefährten von mir getan; meine Bekannten sind Finsternis.

Von Jesus
Mk 14,33   Und er nahm den Petrus und Jakobus und Johannes mit sich und fing an zu erschrecken, und ihm graute sehr. Und er sprach zu ihnen: Meine Seele ist zutode betrübt; bleibet hier und wachet!

Hebr 5,7    Und er hat in den Tagen seines Fleisches Bitten und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tode retten konnte, und ist auch erhört [und befreit] worden von dem Zagen.


von Paulus
2Kor 1,8    Denn wir wollen euch, Brüder, nicht in Unkenntnis lassen über die Trübsal, die uns in Asien widerfahren ist, daß wir übermäßig schwer zu tragen hatten, über Vermögen, so daß wir selbst am Leben verzweifelten;

von Elia
1Kö 19,4    Er aber ging hin in die Wüste, eine Tagereise weit, kam und setzte sich unter einen Ginsterstrauch und erbat sich den Tod und sprach: Es ist genug! So nimm nun, HERR, meine Seele; denn ich bin nicht besser als meine Väter!

von Hiob
Hi 2,12    Und als sie von ferne ihre Augen erhoben, erkannten sie ihn nicht mehr. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten; und sie zerrissen ein jeder sein Kleid und sprengten Staub über ihre Häupter gen Himmel.  Dann setzten sie sich zu ihm auf den Erdboden sieben Tage und sieben Nächte lang, und keiner redete ein Wort zu ihm; denn sie sahen, daß der Schmerz sehr groß war. Darnach tat Hiob seinen Mund auf und verfluchte den Tag seiner Geburt.

Und wie ist die Geschichte bei diesen Freunden Gottes ausgegangen?
Sehr sehr gut! Das Ende war die Herrlichkeit, der Trost, die Freude und Wiederherstellung, selbst wenn mancher als Märtyrer starb. Bei Gott gibt es ein Happy End wenn wir uns einfach nur an IHN klammern....
Am Ende wird Alles gut!

Sonntag, 26. September 2010

Ein Gedicht von Ruth aus dem Depressionsforum

Es gibt diese Tage,
die jede Farbe verloren haben
wie ein Schwarz-Weiss-Foto.
Das Telefon schweigt,
und ich bin mit meinen dunklen Gedanken allein.
Meine Seele sehnt sich
nach Wärme, nach Licht und nach Freude.
Wird es das für mich je wieder geben?
"Was ist die Schuld,
in was für Missetaten bin ich geraten?"
Es ist niemand da,
der mir Mut zuspricht.
Ich habe sie alle weggeschickt.
Habe ich? Ich weiss es nicht.
Ich wollte nur keine leeren Worte mehr,
keine Fragen, keine hochgezogenen Augenbrauen:
"Lass doch mal deine Vergangenheit hinter dir,
schau nach vorne, es wird schon wieder."
Wird es je wieder?
Ich bin doch, was ich bin
durch meine Vergangenheit.
Ich trage doch diesen Stempel auf meiner Seele:
"Du bist nicht richtig,
unser Sorgenkind,
das schwarze Schaf."
Oder:
"So jemanden wir dich wollen wir in unserem Kreis nicht haben!"
Aber auch wenn die "Guten" mich ablehnen:
Jesus liebt schwarze Schafe!
Mein Herr hat sein Sorgenkind
gesucht und wiedergefunden.
Er sagt: "Du paßt in meine Familie."
Er liebt die, die sich selbst nicht lieben können,
wie mich!
Was und wo wäre ich ohne Ihn?
Er wartet am Ende der Treppe,
die nach unten führt,
in das dunkle Loch.
Er nimmt mich auf seine starken Arme
und trägt mich wieder nach oben.
Das tut er,
immer und immer wieder, unermüdlich.
"Seine Gnad ermüdet nie,
ewig, ewig währet sie."
Ich will nie mehr ohne Ihn leben!
Er ist mein Leben.

Don Ralfo dankt der lieben Ruth, dem "glimmenden Docht" für dieses wunderschöne Gedicht!

Montag, 13. September 2010

Seelenfinsternis

Buchrezension bei Amazon.de

Seelenfinsternis: Die Depression eines Psychiaters
So naiv es auch anmuten mag, denken wir nicht alle ein wenig so wie das Kind, welches glaubt, ein Arzt könne doch nicht krank werden? Doch was bleibt von Fachwissen und Kompetenz, wenn eine Krankheit dem Menschen Gewalt antut? Prof. Dr. Piet Kuiper wurde als gefeierte Koryphäe der Psychiatrie von dem Monster überwältigt, über das er bejubelte Vorträge gehalten und bahnbrechende Bücher geschrieben hatte.
Tragik und Glücksfall zugleich. Für ihn, weil er seine Kompetenz um ein ungeahntes Maß erweitern konnte, wenngleich er sich den Weg dahin freiwillig sicher nicht ausgesucht hätte. Für die Leser dieses Buches, weil sie teilhaben dürfen an dieser höchst ungewöhnlichen Reise in den Abgrund der menschlichen Seele.
Das Buch schildert die Vorgeschichte, die Phase der Erkrankung sowie die Zeit danach in eher nüchterner und knapper Form. Offenbar hielt sich Kuiper an den Rat einer guten Freundin, die ihm ans Herz legte: "Halte es bitte sachlich, es ist schon schlimm genug." Gerade weil sein Bericht so sachlich ist und doch so verstörend, erahnt der Leser die Tiefe des Entsetzens und der Verzweiflung, in die dieser Mann kurz vor dem geplanten Ende seiner glänzenden Karriere geriet. Sein Fazit am Tiefpunkt der Depression: "Es ist nichts mehr von mir übrig."
Er schreibt nicht nur freimütig über die Krankheit, sondern auch die Bewältigung des krank gewesen Seins. Die unterschiedlichen Reaktionen der Menschen, die ihm nahe oder nicht so nahe standen, verdeutlichen auf beklemmende Weise, dass nach dem Überwinden der Krankheit nichts mehr so ist, wie es war. Wer sich ernsthaft für diese Krankheit und für die betroffenen Menschen interessiert, wird das Buch mit großem Gewinn lesen. Aber auch ernüchtert sein über die Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens.

Donralfo meint dazu: Übrigens war Prof. Dr. Piet Kuiper ein gläubiger Christ...
Ich habe das Buch neulich gelesen und war erschüttert und dankbar, daß meine private Hölle bisher bei weitem nicht so furchtbar war wie die Krankheit dieses Mannes. Lesenswert für jeden Depressiven, der es aushält und für Angehörige oder Freunde von depressionskranken Menschen.

Foto: Madamepsychosis (Flickr.com)

Sonntag, 12. September 2010

Update der unendlichen Geschichte

Könnte mich bitte mal jemand in den Arsch treten, wenn ich wieder  versuchen sollte meine Anti-Depri-Medikamente auszuschleichen um sie ganz abzusetzen?
Im März dieses Jahres war ja alles anders als sonst, wie in meinem letzten Post beschrieben hatte - vor dem Absturz. Die Winterdepression war komplett ausgefallen, ich war schon seit über einem halben Jahr mit Fitnesstraining dabei und fühlte mich gut. Der Vitamin B Mangel, über den ich recherchiert hatte war ausgeglichen worden. Er soll eine nicht unerhebliche Rolle bei Depressionen spielen.
Ich konnte sogar wieder Gitarre spielen. Öffentlich in Gottesdiensten mit mehreren hundert Besuchern. Und es machte mir wieder Spaß. Ich hatte tatsächlich die Freude an der Lobpreismusik wiedergefunden. Das erste Mal seit 10 Jahren wieder auf der Bühne. Mit aufsteigender Tendenz. Daran hatte ich schon nicht mehr geglaubt - ja nicht mehr zu glauben gewagt! Wieder mehr im Dienst für den Herrn unterwegs.

Ich ging zu meinem Psycho-Doc, erzählte ihm wie gut es mir ging und wir kamen auf die Idee, meine Medikamentendosis zu reduzieren. Natürlich ausschleichend, wenn überhaupt. Er ließ mir da freie Hand, denn ich kenne mich ja ganz gut mit meiner Krankheit aus.
Wohlgemut halbierte ich meine Dosis und war weiterhin aktiv in der "unglaublichen Kirche".
Für meine Internetaktivitäten hatte ich kaum noch Zeit und Lust - Gottesdienste mussten vorbereitet werden, neue Lieder mussten geübt werden und ich verabschiedete mich ein wenig aus der virtuellen Welt um am "richtigen Leben" teilzunehmen. Ich verstehe mich sehr gut mit den anderen Musikern dort und wir hatten viel Spaß miteinander. Selbst das gemeinsame Üben für die Gottesdienst war einfach wunderschön und oft fühlte ich mich frisch und neu mit dem heiligen Geist erfüllt.

Ich überwand die Ängste vor der Bühne und dem öffentlichen Blamieren, falls etwas schief ging. Natürlich ging auch mal etwas daneben - wir rutschten in eine falsche Tonart und ich konnte gar nicht mehr mitspielen. Niemand schien etwas davon zu bemerken.
Ich wollte nicht allein die Band unterstützen sondern stiftete auch neue Mitstreiter an und eines Tages war ich so weit einen Mittwochabend musikmässig allein zu verantworten.
Die ganze Woche malte ich mir aus, was alles bei dieser Premiere schief gehen könnte, da eine neue Keyboarderin dabei war, die den Ablauf noch nicht kannte. Der Tag verlief sehr anstrengend: Koordination mit dem Beamerteam, üben der Lieder, aufbauen der Anlage, Lieder kopieren und ausdrucken - ich war gestresst und froh als alles vorbei war.

Danach klappte ich innerlich zusammen und musste mich erst einmal eine ganze Woche erholen. Ich hatte meine seelischen Kräfte überschätzt und die Krankheit Depression unterschätzt. Die Termine für die Kirche wuchsen mir über den Kopf und ich machte erst einmal eine Pause. Es war sehr schön gewesen den Geschwistern und Gottesdienstbesuchern eine Freude zu machen und viel Zuspruch und Bestätigung fürs Gitarrespielen und singen zu bekommen. Aber ich lud mir eine regelmäßige Verantwortung auf, die mir zuviel war. Und ich kollabierte seelisch wie ein Luftballon, welcher abgelassen wird.

Natürlich möchte ich nach Jahren der Inaktivität wieder etwas "schaffen" können. Ich erwartete sogar eventuell noch in diesem Jahr 2010 wieder arbeitsfähig zu werden und zumindest einen kleinen Nebenjob zu suchen. Doch ich stürzte tief und tiefer ab.
In der großen Hitzeperiode, die ich schon Kreislauftechnisch sehr schlecht vertrug erlebte ich furchtbare Seelenzustände und Panikattacken, welche ich so zuvor höchstens mal früher auf halluzinogenen Drogen erlebt hatte. Einmal musste ich deshalb die Notaufnahme aufsuchen und hätte mich am liebsten in die Psychiatrie einweisen lassen. Im Grunde hielt mich nur die große Hitze davor ab - weil ich mir eine Krankenhausstation noch gruseliger vorstellte als meine Wohnung. Denn da konnte ich wenigstens ständig kalt duschen und hatte in jedem Raum einen Ventilator.
Schlimm waren auch die Stimmungsschwankungen. An einem Tag dachte ich: Jetzt geht es wieder aufwärts, weil ich mich ganz gut fühlte und am nächsten Tag schaffte ich überhaupt nichts mehr - selbst nicht meine Lieblingsbeschäftigung, das Kochen.
Nur noch sporadisch duschen und Zähneputzen, nur selten zum Fitnesstraining - zu allem fehlte mir die Kraft.

Schon lange nahm ich wieder meine normale Dosis des Anti-Depri Medikaments, aber es wollte einfach nicht mehr anschlagen und wirken. Tiefer und tiefer ging die Fahrt in die Depressionsspirale. Zum Gottesdienst ging ich nicht mehr, sogar Hauskreise sagte ich manchmal ab. Manchmal hatte ich Angst ans Telefon zu gehen und Angst meinen Freunden alles mühsam erklären zu müssen. Wer keine Depression am eigenen Leib erlebt hat kann einfach nicht nachvollziehen wie elend man sich fühlen kann. Es ist weit schlimmer als Liebeskummer, oder die Trauer über einen lieben Menschen den man verliert. Die ganze Welt ist grau und hoffnungslos. Ich konnte weder glauben noch beten. Zum Sport ging ich irgendwann gar nicht mehr. Als ob meine Seele in Dauerstreik gegangen wäre. Ein Absturz in die Hölle, so unerwartet und schnell. Und es dauert so lange sich aus diesem tiefen Loch wieder hochzuarbeiten ans Licht - man rutscht immer wieder ab und fällt zurück in den dreckigen Sumpf der Trostlosigkeit.

Jedes mal wenn ich so etwas erlebe schwöre ich mir: Nie wieder versuchst Du Deine Pillen abzusetzen, aber immer wieder falle ich wieder auf den Gedanken rein: Jetzt bist Du doch völlig stabil, vielleicht klappt es ja auch ohne Pillen. PUSTEKUCHEN!

Montag, 9. August 2010

Meine Geschichte

Ich habe seit der Kindheit mit depressiven Zuständen zu tun. Hatte einen cholerischen und  fordernden, wenig lobenden und schlagenden Vater und eine superweiche Mutter, die unter der Ehe sehr litt und mehrere Suizidversuche unternahm. Den Ersten als ich erst 12 Jahre alt war.

Sie war auch teilweise stationär in psychiatrischer Behandlung, so daß ich schon als Kind mit dieser Krankheit massiv konfrontiert war.

Damals war es noch ein großes Tabuthema und wir hatten keinerlei Hilfe von außen damit umzugehen.

Ich bezeichnete mich schon als Kind als "Melancholiker" und litt oft unter dem, was ich damals "Weltschmerz" nannte. Als Jugendlicher kamen Drogen dazu, welche mich noch tiefer in den depressiven Strudel zogen. Ich hatte jeden Tag Selbstmordgedanken die ich allerdings nie in die Tat umsetzte, weil  ich zu feige war und irgendeine nebulöse Hoffnung auf irgend ein Großereignis hatte, daß mich vielleicht befreien würde.

Als Halt hatte ich als Jugendlicher die Beziehung zu meiner damaligen Freundin (und jetzigen Frau) und meine Drogenklicke. Ich versuchte es mit tranzendentaler Meditation und Esoterik, was meiner Seele allerdings überhaupt nicht gut tat.

Eine starke Besserung erlebte ich durch die Hinwendung zum christlichen Glauben und die Gründung einer Familie. Ich konnte damals überhaupt nicht fassen, daß es mir dauerhaft seelisch so gut ging und ich dachte so geht es nun mein ganzes Leben lang weiter. Nun ja es ging mir viele Jahre lang sehr gut, wir gründeten eine Freikirche und bekamen vier Kinder. Gleichzeitig machte ich eine Fortbildung zum Krankenpfleger, da ich nur Krankenpflegehelfer war. Das Leben war erfüllt für mich.

Doch dann kamen Probleme in der Gemeinde und später auch Eheprobleme. Ich hielt mich eigentlich nur noch so über Wasser glaubte aber das Kapitel mit den Depressionen schon lange überstanden zu haben. Schließlich war ich doch ein Mann des Glaubens!

Ich nahm eine Stelle in einer Bibelschule als Musiker und Bibellehrer an, was eigentlich meinem Lebenstraum entsprach. Zu Anfang lief auch alles super. Ich hatte meine Leidenschaft (Lobpreismusik/moderner Gospel) zum Beruf gemacht und schwebte auf Wolke 7. Doch schon nach einem Jahr wurde der neue Beruf zunehmend schwierig für mich und ich fühlte mich überfordert von unseren frommen Konferenzen und dem Dasein als "Spielmann", der ständig für gute Laune zu sorgen hatte.

Als ich schließlich nach 3 Jahren einen kompletten Burnout erlitt und von der Bibelschule entlassen wurde zerbrach auch mein Lebenstraum und ich glitt dadurch immer tiefer in Depressionen ab - ohne mir das allerdings zuzugeben- Schuld waren ja schließlich "die Anderen".

Unsere Ehe kriselte immer mehr, eine Tochter von uns machte mit 13 einen Suizidversuch und verbrachte einige Monate in der Psychiatrie. Irgendwann in der Familientherapie, die Pflicht in der Kinder- und Jugendpsychiatrie war wurde mir klar, daß ich selbst ernsthaft an Depressionen erkrankt war und ich suchte irgendwann einen Psychiater und Neurologen auf, der mir ein gutes Medikament verschrieb, welches mir auch half.

Es löste allerdings nicht die Ursachen meiner Krankheit sondern linderte sie nur weitgehend, so das ich wieder arbeitsfähig wurde und in der ambulanten Krankenpflege arbeitete.

Die folgenden Jahre sahen so aus, daß es mir ein halbes Jahr lang ganz gut oder akzeptabel ging und das andere Halbjahr litt ich wie ein Hund an Depressionen.  Ab dem Monat November war meistens Schicht mit guter Laune und ich glitt in tiefste emotionale Löcher und Verzweiflung bis ich im Frühjahr ab April so langsam wieder auftauchte und neue Hoffnung schöpfte.

Manchmal reduzierte ich dann meine Medikamente oder nahm sie gar nicht mehr ein, weil ich eher "manisch und euphorisch" drauf war.

Oft dachte ich, nun hätte Gott mich endgültig geheilt, was sich aber als Irrtum herausstellte. Das Absetzen der Medikamente (Cipramil) hatte regelmäßige Totalabstürze zur Folge.

Dann folgte zu allem Überfluß eine Herzkrankheit mit großer Operation, die mich noch tiefer hineinriss. Irgendjemand oder irgendetwas gab mir die Kraft mich um einen Psychotherapeuten zu kümmern. (Eine Liste durchtelefonieren) Ich glaube nach meinem dritten oder vierten Anruf gab ich auf, aber einer meldete sich nach Wochen bei mir zurück und hatte einen Therapieplatz für mich.

Die Therapie (1 1/2 Jahre) half mir wirklich weiter und brachte mich auf einen guten Weg, obwohl ich weiterhin depressiv war. Aber irgendwie konnte ich einfach besser damit umgehen und leben. Und die depressiven Phasen wurden auch kürzer. Und die Hochphasen höher :-)

Im letzten Herbst entdeckte ich ein Blutdruckmedikament als "Übeltäter" bei mir und kam nach dem Medikamentenwechsel besser in Schwung, so daß ich mich wieder ein wenig sportlich betätigen konnte, was ich seit vielen Jahren nicht mehr konnte.
Regelmäßiger Ausdauersport hilft mir zur Zeit sehr und die übliche Winterdepression blieb dieses Mal aus. (Bis auf ein paar Tage) Mein Hausarzt entdeckte im Januar noch einen Vitamin B12- und Eisenmangel, welchen man über Tabletten ausgleichen kann. Auch das war sicher ein zusätzlicher Faktor für eine weitere Besserung meiner Symptome. Innerlich habe ich das Jahr 2010 nun zum "Jahr der Bewegung" für mich ausgerufen und will unbedingt dran bleiben an dieser positiven Entwicklung. Eine Aufwärtsspirale ist so viel besser als diese furchtbare Abwärtsspirale der Depression. Ich würde mich nicht als endgültig geheilt bezeichnen, aber ich hoffe, daß dieser gute Trend anhält. Zumindest versuche ich meinen Teil dazu zu tun.

Und diese Erkenntnis, daß ich selbst etwas gegen die Krankheit tun kann und ihr nicht völlig hilflos ausgeliefert bin gibt mir Hoffnung und Zuversicht.

Ich wünsche jedem Leser von Herzen alles erdenklich Gute!

Don Ralfo

Gelesen und für gut befunden!

Freitag, 26. Februar 2010

Einladung ins Depressions- Forum

Beim Surfen durchs Internet geriet ich auf eine relativ neue online-Community von Depressiven für Depressive und schrieb mich schnell ein. Aus dem Bauchgefühl heraus.
Das Forum soll sowohl eine Hilfe für Betroffene als auch für Angehörige von Depressionskranken sein.

Ich habe persönlich schon mit dem Betreiber und Hauptverantwortlichen telefoniert, der auch selbst ein Betroffener ist und einen guten Eindruck von ihm gewonnen. Hiermit lade ich alle Interessierten ein, Teil dieser Gemeinschaft zu werden oder einfach mal reinzuschnuppern. Die Webseite heißt Depressionen ABC.
Ich bin dort nun sogar Mitmoderator. Herzlich willkommen dort!

Drüber reden und schreiben ist immer besser als allein vor sich hin zu brüten!

Sonntag, 14. Februar 2010

Warum Ausdauersport antidepressiv wirkt

Nervenwachstumsfaktor BDNF für stimmungsaufhellende Wirkung nach Belastung verantwortlich 

Tübingen - Ärzte und Wissenschaftler des Universitätsklinikums Tübingen konnten in einem - von der Landesstiftung Baden-Württemberg geförderten - Projekt nachweisen, dass Ausdauerbelastung eine Ausschüttung von zuvor vermindertem Nervenwachstumfaktor bei wiederkehrenden Depressionen bewirkt.
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Mittwoch, 27. Januar 2010

Euphorie im Januar


Brr ist das kalt. Es ist ARSCHKALT!!!!
Irgendjemand hat den Winterbutton gedrückt und vergessen wieder loszulassen. Hee Petrus. Halloooooo?
Du da oooooben!
Und trotzdem bin ich gut drauf. Ja sogar sehr gut. Ehrlich gesagt bin ich zur Zeit regelrecht euphorisch.
Warum?
Hmm, tja - ein unerwartetes Geschenk im Januar, obwohl ich erst im November Geburtstag habe. Und zwar war ich mal wieder beim Doc - Blutwerte checken lassen. Die waren gar nicht so gut, aber er hatte die Idee mal den Vitamin B12-Spiegel  mitzutesten. B12 ist sehr wichtig für die Blutbildung. Ich habe seit Jahren Blutarmut und keiner wußte die Ursache. Alles wurde abgecheckt: Magenspiegelung und Darmspiegelung ob ich heimlich irgendwo blute. Alles Fehlalarm. Alles in Ordnung. Kopfschütteln beim Doc.
Und nun kam ihm plötzlich diese Idee - Vitamin B12 testen und siehe da: Ich habe einen gravierenden B12-und Eisenmangel, den man aber mit der Einnahme von B12- und Eisen-Tabletten bestens ausgleichen kann.
Das bedeutet ein Plus an Kraft, Konzentration und Ausdauer. Aber beim Googeln habe ich dann noch etwas Besseres zu Tage gefördert: Vitamin B Mangel führt oft zu Depressionen und Nervenkrankheiten.
Das ist in wissenschaftlichen Studien erwiesen worden und kein Hokuspokus.
Und gerade im Januar, als meine übliche Winterdepression schon wieder angeklopft hatte und mit der Tür ins Haus gefallen war (Ich saß im tiefen Loch und dachte - da kommste jetzt erstmal nicht so schnell wieder raus)
gefällt es dem da oben meinen Doc auf die richtige Fährte zu setzten. Hallelujah!
Ich nehme seit einigen Tage Eisentabletten und Vitamin B12, B1 und B6 und spüre schon eine Auswirkung. Und etwas (oder Jemand) sagt mir: Das ist KEIN Placebo-Effekt.
Ich bin so froh, daß Leute für mich beten, wenn ich es selbst nicht schaffe. :-)
Und meine Orchidee, die im letzten Januar geblüht hatte treibt wieder einen neuen Blütenzweig.
Ist das Leben nicht wunder-wunderschön?



> Lesen Sie auch: Vitamin B12 bei Behandlung von Depressionen entscheidend
> Mediz-Info:  Vitamin B12 Mangelanämie
> Deutsches Ärzteblatt: Ursachen und Diagnostik von Vitamin B12 Mangel

Auszüge aus der Ärztezeitung:
"Vitamin B12 ist wichtig für die Synthese von DNA, die Bildung und Erhaltung der Myelinscheiden, die Synthese von Neurotransmittern und die Erythropoese. Der klinische Vitamin-B12-Mangel hat zwei wesentliche Manifestationen: die hämatologischen und die neuropsychiatrischen Erkrankungen. Symptome treten sehr häufig schon vor dem Unterschreiten des unteren B12-Referenzlimits auf (6)
Die bei B12-Mangel beobachteten psychiatrischen wie neurologischen Erkrankungen und kognitiven Störungen, Depressionen oder Demenz können Monate bis Jahre hämatologischen Anomalien vorausgehen beziehungsweise solche treten gar nicht auf. "

"Risikogruppen
   Risikogruppen für einen Vitamin-B12-Mangel sind (Tabelle):
- Patienten mit ungeklärter Anämie
- Patienten mit ungeklärten neuropsychiatrischen Symptomen
- Patienten mit gastrointestinalen Manifestationen einschließlich Stomatitis, Anorexie und Diarrhö
- ältere Personen (11)
- Vegetarier (4)
- Personen mit gastrointestinalen Erkrankungen, wie Magenresektion, Morbus Crohn oder Helicobacter-pylori-Infektion (12)."

Foto1: Blick von meinem Balkon
Foto2: Orchidee im Winter 2009

Mittwoch, 20. Januar 2010

Bei Depressionen: Reden statt verzweifeln

Geduld, Langmut und die richtigen Helfer sind gefragt

Kurzerhand wurde die Georgi-Kurhalle umgebaut. Der Andrang bei der Auftaktveranstaltung zur Informationsreihe Depression war deutlich größer als erwartet. Etwa 200 Besucher, das überraschte auch Organisator Bürgermeister Thomas Ullmann und es bestärkte ihn in seinem Projekt.
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Montag, 18. Januar 2010

Winterdepression

Es hat mich wieder erwischt. Trotz guter Medikamentenumstellung und regelmäßigem Fitnesstraining.
Die Seele hängt darnieder - ohne erkennbaren Grund. Mann wie das nervt. Gottseidank kann ich davon ausgehen, daß sich meine Gefühlslage im Frühling irgendwann wieder ändert. Erfahrungswerte. Und ich gebe auch nicht auf. Hoffnung ist vorhanden, weil diese Winterdepression immer vorüber gegangen ist bisher. Man schreibt eben 2-4 Monate vom Jahr ab und behält ein wenig Humor. Und wartet auf den Frühling.
Der Absturz erscheint mir auch nicht ganz so tief wie üblich, vielleicht weil ich körperliche Power durch mein Fitnesstraining dazugewonnen habe. Da will und muß ich unbedingt auch dranbleiben.
Meine 5000 Lux Wohlfühl-Lampe brennt nun wieder seit einigen Tagen wenn ich am PC sitze. Keine rechte Lust am bloggen. Trägheit und Lustlosigkeit macht sich breit.
Nur meine Frau bemerkt meinen Zustand - alle Freunde und Verwandte kann ich irgendwie täuschen. Das habe ich schließlich ein ganzes Leben lang geübt - das Zusammenreißen und ein fröhliches Gesicht im Gespräch machen. Witze reißen. Ich überlege, ob ich meinen alten Psychoheini per mail befrage, ob er einen Therapieplatz frei hat. Na ja. Weiß nicht so recht. Mal sehn.

Samstag, 5. Dezember 2009

Depression als Nebenwirkung von Medikamenten

Man sollte nicht unbedingt jeden Beipackzettel seiner Medikamente allzu aufmersam studieren, vor allem wenn man zu Panik und Angststörungen oder hypochondrischem Verhalten neigt.
Möglicherweise ticken wir Deutsche auch als "Normalo" immer noch anders als andere Nationen. Nicht umsonst gibt es im englischsprachigen Ausland das Idiom von der "German Angst". :-)
Was es da an Neben- und Wechselwirkungen mit anderern Medikamenten zu lesen gibt veranlasst viele Leute ihre angebrochenen Packungen sofort in die Tonne zu treten.
Und falls man chronisch krank ist, sollte man seine Pillen lieber regelmäßig einnehmen. In der Regel macht man sich nur verrückt mit dieser Angst vor Nebenwirkungen, aber in zumeist seltenen Fällen treffen sie leider eben auch ein.

Als Mr. Droge 1972 (Scherz), ehemaliger Krankenpfleger und Patient, der jeden Tag 16 Pillen schlucken muß, sei mir ein wenig Erfahrung mit der Sache zugetraut.

Auf schon einigen meiner Beipackzettel las ich unter Nebenwirkungen auch das Wort Depressionen aufgelistet, maß dem aber wenig Bedeutung zu. Was würde es auch für einen Sinn haben, zwar glücklich aber durch die Auswirkungen seiner Grunderkrankung vorzeitig das Zeitliche zu segnen?
Es gibt immer eine Risiko-Nutzenabwägung bei der Behandlung mit Medikamenten. Wenn das Risiko der Krankheit höher ist, nimmt man das Risiko von Nebenwirkungen in Kauf.

Vor einiger Zeit machte ich allerdings eine Erfahrung mit dem Blutdrucksenker Karvea (Irbesartan), die über ein kleines Unwohlsein als Nebenwirkung weit hinausging. Es verschlimmerte eindeutig den allgemeinen Hang zu Depressionen bei mir so sehr, daß ich es durch ein anderes Medikament austauschte und seither so beschwerdefrei bin, daß ich wieder mit Sport und Bewegung angefangen habe.

Es war ausgerechnet das letzte aller meiner Medikamente, welches ich mal probehalber abgesetzt habe, um zu checken, ob meine chronische Erschöpfung vielleicht besser wird. Schon am ersten Tag bemerkte ich, daß ich viel mehr Power beim Radfahren hatte, Normalerweise war ich nach einer kleinen Anstrengung oft noch Stunden danach völlig kaputt oder regelrecht geplättet. Diesmal jedoch nicht. In der kommenden Woche machte ich noch mindesten drei Fahrradtouren und es wurde von Tag zu Tag besser. (Ansonsten machte ich nur  EINE im halben Jahr) Nicht nur die chronische Erschöpfung war wie weggeblasen, sondern mir ging es auch seelisch zunehmend besser!
Also ging ich zu meinem Doc und bat um einen anderen Blutdrucksenker. Als ich ihm den Beipackzettel vorlas, wo Erschöpfung, Blutarmut, Muskelschmerzen, Schwindel beim Aufstehen und noch andere Nebenwirkungen aufgeführt waren meinte er nur: "Verrennen sie sich jetzt bitte nicht in diese Vorstellung, daß Karvea an allem Schuld ist! In den Studien die wir als Ärzte lesen, wird dem Mittel die geringste Rate von Nebenwirkungen überhaupt bescheinigt! Es geht ihnen nur besser, weil ihr Blutdruck jetzt wieder höher ist."
Obwohl er leicht angepiekt war, verschrieb er mir ein anderes Mittel. Mittlerweile ist mein Blutdruck wieder so niedrig wie vorher, aber die Erschöpfung und die Muskelschmerzen sind wie weggeblasen.
Ich habe mich in ein Fitnessstudio eingeschrieben und gehe dreimal die Woche zum Training, was ich seit ca. 5 Jahren nicht mehr konnte. Die November-Depression ist ausgeblieben und ich fühle mich viel besser als in den letzten Herbst- und Wintermonaten. Juchuuuu!!!
Kein Wunder, daß man depressiv wird, wenn man ständig erschöpft ist, bei jedem Spaziergang nach wenigen hundert Metern Muskel- und Gelenkschmerzen bekommt, so daß man sich immer weniger bewegt und nur noch in der Bude vorm PC oder TV hängt, weil man zu kaputt ist, irgend einer körperlichen Aktivität nachzugehen.
Übrigens kann ich nicht unbedingt empfehlen, in jedem Verdachtsfall von Nebenwirkungen den Ärzten allein zu vertrauen. Weder die Kardiologen im Krankenhaus 2005, noch mein Internist und der niedergelassene Kardiologe sowie die Gutachterin der Rentenversicherung haben meine Klage über die chronische Erschöpfung ernst genommen. Das ist wohl eine Krankheit unserer Mediziner. Du wirst als Patient grundsätzlich für doof gehalten! 
Ich kann nur empfehlen: Vertraue lieber den Signalen Deines Körpers, wenn es um Nebenwirkungen bei Medikamenten geht. Und lass Dich nicht unterkriegen, wenn Du als Simulant oder Spinner abgetan wirst.
Mach Dich lieber selber schlau, indem Du im Internet recherchierst oder Bücher und Artikel zum Thema liest.
Aber bitte nicht auf Verschwörungstheoretiker reinfallen, sondern nur seriösen Portalen vertrauen. 

Ich werde in diesem Blog weiter berichten, ob die seit Jahren übliche starke Winterdepression in diesem Winter bei mir noch kommt.... ;-)

> Lesen Sie auch: Organische Ursachen, Medikamente und Drogen als Ursache einer Depression 

Wirkung von Psychoanalyse im Gehirn nachgewiesen

Alles, was im Deutschen mit der Vorsilbe “Psych…” anfängt, ist vielen Menschen immer noch höchst suspekt. Nur so ist zu erklären, dass die Witwe von Robert Enke auf der Pressekonferenz des Vereins zum Selbstmord ihre Mannes sagte: “Er hat seine Krankheit geheim halten wollen, um sein Privatleben zu schützen und seine Karriere als Fußball-Profi nicht zu gefährden.” Dieser Satz ist verständlich und gleichzeitig erschreckend. Offenbart er doch wie die Depression – immerhin die häufigste seelische Erkrankung – trotz viel Aufklärung und einer langsam wachsenden Akzeptanz in der deutschen Bevölkerung noch weitgehend tabuisiert ist.
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